Benedikt Birckenbach über seine Arbeiten
Das Material Holz hat für mich eine ganz eigene Faszination. Immer gibt es Auskunft über seinen Ursprung, seine innere Struktur, den Baum als große Senkrechte, als Zeitmesser.
Gefällt und nun in den Innenraum gebracht, liegt er als Balken, als Block, Bohle oder andere geschlagene Form vor uns. Den Baumstamm auszuhöhlen, zu entkernen hat einen besonderen Reiz, betont es doch seinen Umfang und das natürliche Außen und Innen. Dieser brachiale Prozess, verbunden mit dem Wunsch nach Rhythmus, Dynamik und Bewegung hat die Werkgruppe der Vertigos hervorgebracht.
Eine Glocke aus Holz. Welche Verwandtschaft könnte dies beinhalten? Über allen Wipfeln ist ruh, schreibt Goethe über die Stille. Aber vielmehr ist es die Befragung einer Form, die für uns unsichtbar aus dem Kirchturm die Zeit in den Raum wirft, zu Gottesdiensten ruft oder über Leben und Tod berichtet. Als Skulptur, wird Sie selber Raum, wird Struktur und Rhythmus.
Der metallene Mantel aus Blei assoziiert eher die Schwere, als den Klang. Der Spiegel als Reflexionsebene bringt neue Momente um die uns Allzubekannte, Unbekannte Form der Glocke hervor. Übergreifendes Thema ist die Stille.
Skulptur und Relief sind Geschwister und so assoziiert auch die Werkgruppe “In weiter Ferne so nah,“ ähnlich dem Klang der Glocke, das Entfernte. Sie entstand durch das heranzoomen des erst in 20 Meter Höhe sichtbar werdenden Bogens der Arbeit Johannistrieb. Diese Form symbolisiert den Fluss von Energie im Stamm, durchzieht Ihn also in seiner ganzen Länge. Anders als dort entsteht hier im Relief das Unsichtbar werden, nicht durch die Entfernung vom Auge, sondern durch das Verhältnis von gröbster Struktur zu feinster Linie, sowie durch die weiße Fassung. Hier geht es um die Thematisierung des entnommenen Raumes als negierenden Prozess. Die Linie als Alternierende, Umschließende, sowie durchdringendes Element und deren Korrespondenz zueinander. Durch die Transformation von Masse in Raum werden hier die Grenzen des Möglichen mit den Grenzen des Sichtbaren vereint. Was bleibt ist nachvollziehbarer Prozess, der die Teilung des Raumes und der Fläche mit all seinen Möglichkeiten hinterfragt und zu klären sucht.