Text zu der Kleinen stehenden Kuh
„Die Plastik hat ihr eigenes Gesetz, sie ist nur durch sich selbst und in sich richtig, nichts wird durch Außen bestimmt, es gibt keine ‚Richtigkeit‘ in der Plastik, nichts, was (irgendetwas, J.F.) mit dem gemeinsam hätte, an was sie rein gegenständlich in der Natur erinnert“, schrieb Ewald Mataré über seine bildhauerischen Auffassungen. Den Gegenstand zu einem möglichst weitgehenden Zeichen zu extrahieren, war sein künstlerisches Anliegen. Der Gegenstand, das Motiv, das Objekt sollte dazu möglichst frei von jeglichen vorgefassten inhaltlichen Bestimmungen sein. Mataré wählte deshalb für seine freien plastischen Arbeiten die Kuh, das Schaf, das Huhn, die Katze und eben das Pferd als Motive (nicht aber zum Beispiel Löwe oder Adler, die jede Menge heraldische oder politische Bedeutungen implizieren). Vor allem die Kuh ist frei von jeglichen ikonographischen Überlieferungen und symbolischen Aufladungen.
Text zu dem Finnischen Pferd
Der eigentlich zum Maler ausgebildete Ewald Mataré kam 1922 eher zufällig auf der Nordseeinsel Spiekeroog zur Bildhauerei. Hier begann er das Holzschnitzen in taille directe. Die Schnitzerei blieb später der Ausgangspunkt seiner Bildhauerei: Auch Bronzeplastiken sind zumeist nach einer Holzskulptur gegossen, was für Mataré keinen Widerspruch darstellte, da sich die Eigenschaften der Oberfläche der Holzskulptur ausgezeichnet in Bronze übertragen ließen und die Patina des Metalls den durchaus beabsichtigten hermetischen Eindruck des Werkes unterstützte. Bei aller Abstraktion seiner Plastiken war für Mataré das Studium vor der Natur selbstverständlich, denn „Kunst heißt doch Ordnung in das Chaos“ zu bringen. Das Wesentliche der Form aus dem Zufälligen der Natur zu destillieren, ist der Sinn seiner Arbeit gewesen.
Dr. Jürgen Fitschen
Ewald Mataré über die Abstraktion einer liegenden Kuh
„ (…) ich studiere jetzt das Liegen als solches, unabhängig von allem natürlichen Liegen. Meine Kühe haben jetzt keine Standfläche mehr, dürfen gar nicht mehr richtig auf dem Tisch liegen können und müssen genau so gut ‚liegende Kuh’ repräsentieren.“ *
Ewald Mataré über das Finnisches Rind
„ Ich will nun doch morgen mit einer Kuh anfangen. (…) und ich will besonders Gewicht auf die plastische Gestaltung von vorn legen. (…) Mir bleibt eben nichts übrig, als mir selbst eine Tradition zu schaffen, von der aus ich das Tier in Angriff nehmen muß. (…) alles sogenannte Gefühlsmäßige ist Unsinn, und führt zum sich selbst verlieren. Die Eiform bei der Kuh, (…) das ist’s. Fern von aller Romantik. (…) Ich glaube, dass umgegossen in Bronze das Tier wesentlich gewinnen würde (…). Mit dieser glaube ich, mir einen neuen Boden unter den Füßen geschaffen zu haben.“ *