Text zu Eva
Eva – nach Goethes Worten das Prinzip des ‚ewig Weiblichen, das uns anzieht’, - ist in eine ungewöhnlich archaische Form gebannt. Wie fast alle seine Figuren ist sie hingegeben an den mystischen Gehalt, unbelauscht – den Betrachter nicht ahnend – belauscht nur von ihrem Schöpfer. (…)
Der Charme der Linienführung, die sanft schwellenden Formen der Oberschenkel, eine starke Taillierung, die eher beschützende Geste der den Apfel des Paradieses haltenden Hände, ein geheimnisvoll-unergründliches Lächeln, der nach innen gerichtete Blick führen zur Einmaligkeit der Interpretation des alten und immer neuen Themas. *
Hermann Braun
Text zu Mänade
„Es war der Eindruck einer Tänzerin, die mir Model stand und plötzlich in Raserei so stillstand. Das war überwältigend“, schrieb Fritz Klimsch 1958 rückblickend über diese Plastik. Das Zitat kennzeichnet ein Hauptproblem der figürlichen Bildhauerkunst, wenn sie Aktion veranschaulichen will: Sie kann nämlich nur den plötzlich eingefrorenen Augenblick einer an sich flüssigen und fließenden Bewegung darstellen. Sie ist stets darauf angewiesen, dass der Betrachter die Momente, die eine Plastik als Bild nicht zeigen kann – die vorherigen und darauf folgenden Augenblicke – mit- und nachvollzieht. Man könnte also sagen: In dem Gelingen liegt ein künstlerisches Qualitätskriterium. Hier nun traf es sich zufällig, dass das Modell aus der Bewegung (der Raserei) plötzlich erstarrte, und es gerade dieser Augenblick war, der den Bildhauer interessierte! Die mythischen Begleiterinnen des Dionysos hieß man Mänaden, eben die „Rasenden“, deshalb der Titel dieser Figur, der an sich und wie so oft nicht der Anfang der Überlegungen zu diesem Werk war.
Text zu der Kleinen Schauenden
Die Kleine Schauende behandelt ein Generalthema der deutschen Ausdrucksplastik, das nämlich der sitzenden oder kauernden weiblichen Figur. Die selbstgestellte Aufgabe hier: eine von allen Seiten schöne und ausgewogene Plastik zu schaffen. Das Ausdrucksgebaren ist tatsächlich frei von jeglichen Brüchen, und genauso bietet die Anordnung der Glieder und das Mit- und Gegeneinander der Bewegungen den Eindruck harmonischer Beziehungen, der den Rahmen für den Ausdruck feiner seelischer Regungen bildet.
Dr. Jürgen Fitschen