Gerhard Marcks

Text zu Marina

Gerhard Marcks hat mit seinem Lebenswerk beinahe das gesamte 20. Jahrhundert durchmessen. 1907 kam er in Berlin zur Bildhauerei, die er ungebrochen bis zu seinem Tode im Jahre 1981 ausübte. Sein Werk, das rund 1.200 Arbeiten umfasst, ist der Inbegriff einer aus klassischen Traditionen schöpfenden Kunst, die alles, was es über den Menschen zu sagen gibt, am unversehrten Leib ohne jede Effekthascherei auszudrücken sucht. Die hockende Figur der Marina hat eine Reihe von Vorgängerinnen in zurückliegenden Jahrzehnten. Sie ist wohl nach Modellstudien aus dem Jahr 1943 angefertigt worden. Marcks hat zunächst die grundlegenden plastischen Fragen in etlichen Zeichnungen nach dem lebenden Modell geklärt, ehe er sich an einer Plastik versuchte. Dabei standen zumeist der tektonische Aufbau und die Klärung der Proportionen im Vordergrund, nicht aber irgendeine Porträtähnlichkeit.  Diese einmal angefertigten Studien sind auch später immer wieder einmal verwendet worden.


Text zu Stehender Raimund

Stehender Raimund ist eine jener Bronzeplastiken im Werk von Gerhard Marcks, die in vielfachen feinen motivischen Variationen immer wieder aufs Neue ein Thema der antiken Skulptur Griechenlands, das des Kuros, aufgreifen. Auf einer Griechenlandreise im Jahre 1928 wurde sich Marcks seines bildhauerischen „Lebensauftrags“ bewusst und ließ sich insbesondere von den strengen, tektonischen männlichen Figuren der Vorklassik beeindrucken. In seinem Spätwerk verhandelte er wie eh und je nach Art dieser schlanken knabenhaften Gestalten seine männlichen Akte – wie immer nach dem lebenden Modell, jedoch mit einer besonderen Freiheit, Feinheit, Eleganz und Beweglichkeit, die sich von früheren Plastiken unterscheidet.

Dr. Jürgen Fitschen