Gustav Seitz

Text zum 1. Entwurf zur Lauschenden

Gustav Seitz ist einer der großen deutschen Nachkriegsbildhauer, deren Leistung vor allem in der ikonographischen Erneuerung und der künstlerischen Belebung der figürlichen Tradition besteht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er zunächst im Westen und Osten Berlins, ehe er 1958 Professor an der Landeskunstschule in Hamburg wurde. Im letzten Lebensjahrzehnt des früh verstorbenen Bildhauers sind insbesondere die zeichenhaften, als Stelen mit großen Brüsten stilisierten Frauentorsen, Idolen, entstanden, aber auch die Große Lauschende, die heute öffentlich unter anderem vor der Musikhalle (Kieler Schloss) und dem Staatsarchiv in Hamburg aufgestellt ist. Einen Zyklus von Lauschenden hatte bereits Ernst Barlach für das Musikzimmer des Hamburger Unternehmers Hermann F. Reemtsma geschaffen, der sich seit 1963 im Ernst-Barlach-Haus im Jenischpark in Blankenese befindet.



Text zu Relief der Porta d’amore: Liebespaar

Das Werk gehört zu den zahlreichen Reliefs, die zwischen 1963 und 1969 von Gustav Seitz noch zu Lebzeiten vollendet und als sogenannte Porta d’amore zum ersten Mal auf der Biennale in Venedig im Jahre 1968 zusammenhängend gezeigt worden sind. Nach seinem Tode sind sie von dem Hamburger Bildhauer und Schüler von Seitz, Edgar Augustin, zu einem Bronzeportal in der Art romanischer Kirchenportale an der nordwestlichen Ecke des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe nach groben Plänen von Seitz selbst zusammengeführt worden. Sie alle zeigen Spielarten und Motive der erotischen Liebe und schließen sich in Teilen ikonographisch mit den großen und vollplastischen Idolen zusammen, die das Schaffen von Seitz in den letzten Jahren seines Lebens bestimmt haben. 

Dr. Jürgen Fitschen