Hartmut Sy

Wahrnehmungsirritationen rufen sie hervor, die hintergründigen Skulpturen des Berliner Bildhauers Hartmut Sy. Quadergitter, Würfel, Pflastersteine scheinen kippend, hochfahrend oder schwebend ineinander zu stürzen. Die dynamische Anordnung von rechteckigen oder quadratischen Formen erweckt den Anschein von zugespitztem Chaos, erweist sich bei näherer Betrachtung aber als harmonische Ordnung von sanfter Bewegtheit, die Wahrnehmung neu interpretiert. Das ist ein Versprechen, ein utopisches Moment, etwas, was wir in der Begegnung mit Kunst nie müde werden zu erhoffen.

Bewegung skulptural umzusetzen und die Schwerkraft aufzuheben sind die wiederkehrenden Themen in Sys Schaffen. 20 Jahre nach seiner „Hommage an Giacometti“ stellt sich der Bildhauer mit einer „Hommage an Max Bill“ erneut in die Tradition der klassischen Moderne. Doch während der 1994 verstorbene „Allroundkünstler des Konkreten“ die Möglichkeiten der Würfelform stets in beispielloser formaler Strenge erkundete, erlaubt sich Hartmut Sy auch hier in der rhythmischen Abfolge der Elemente den Sprung in die Irritation.

Jürgen Bräunlein