Text zu Three Form Relief
Henry Moore sammelte bereits in den zwanziger Jahren an Stränden und Bächen Kieselsteine, die durch den Fluss des Wassers im Laufe der Zeit soweit verschliffen worden waren, dass sie fast wie Urbilder der organischen Formensprache anmuten, wie der britische Bildhauer sie dann vertreten hat. Die genaue Beobachtung der Gestalt solcher Steine wurde manchmal unmittelbar in Plastik überführt. Bisweilen stehen solche Schöpfungen vor Wänden frei, in anderen Fällen wie hier erscheinen sie als Reliefs auf der Wand. „Was mich am meisten interessiert, ist die menschliche Gestalt, aber ich habe beim Studium von Naturgebilden wie Kieselsteinen, Felsblöcken, Knochen, Bäumen, Gewächsen usw. Form- und Rhythmusprinzipien gefunden. Kieselsteine und Felsen zeigen, auf welche Weise die Natur den Stein bearbeitet.“ (Henry Moore, 1959)
Text zu Study for Head of Warrior
Henry Moore ist der vielleicht bekannteste Bildhauer der europäischen Nachkriegsmoderne. Sein Ruhm begann sich bereits während des Zweiten Weltkriegs mit Unterstützung der britischen Regierung in der Welt zu verbreiten. Er experimentierte seit den dreißiger Jahren mit der organischen Form als Sinnbild des Wachsens und Werdens einer plastischen Gestalt und allgemeinen Ausdruck des Lebens, so könnte man vielleicht generell sagen. Anknüpfungspunkte dafür boten schon der Surrealismus der späten zwanziger Jahre, den er selbst in Paris kennengelernt hatte und das Studium der Natur selbst (Kieselsteine). Zwischen 1953 und 1957 ist eine Reihe mit Warrior (Krieger) betitelter Figuren als unmittelbare Reaktion auf die zeitgeschichtlichen Ereignisse und eigene Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs entstanden, die durch Reduzierung und Zerlegung der organischen Formen in Beziehung gesetzt werden zur Entstellung des durch Gewalt zerstörten oder versehrten menschlichen Körpers. Die plastischen Studien dazu, insbesondere die Köpfe, buchstabieren bereits das gesamte Repertoire der organischen Formensprache Moores durch.
Dr. Jürgen Fitschen