Text zu Kleine Figur II
Horst Antes studierte von 1957 bis 1959 an der Kunstakademie in Karlsruhe bei HAP Grieshaber. Nach malerisch impulsiven Figurenkompositionen führte er schon zwei Jahre nach dem Studium den ersten Kopffüßler, eine rumpflose gnomenartige, deformierte Figur in sein Werk ein, die ihn bekannt machte und mit der er zu einem wichtigen Künstler in der Nähe der Pop Art in Deutschland wurde. Diese Kunstfigur kehrt seitdem in Malerei, Graphik und Plastik wie ein Signet immer wieder zurück und ist dabei vielschichtigen Umwelterfahrungen und Verwandlungen ausgesetzt: Ab 1963 wurde der Kopffüßler Träger verschlüsselter Inhalte und durch Verdoppelung oder Vervierfachung um manche Variante erweitert. Am Beginn der achtziger Jahre trat an die Stelle des Kopffüßlers eine Figur, die wie eine Schablone wirkt und schemenhaft auf die Silhouette beschränkt erscheint.
Text zu: Haus klein ( ital. Meniggerot ) & Haus hoch ( Kobaltblau )
Horst Antes beschränkt sich in der Malerei seit etwa 1987 auf ebenso einfache wie symbolhafte Motive: Fenster, Türen, Häuser. Später folgten den Gemälden auch plastische Werke. Das Haus, könnte man sagen, löste den Menschen als hauptsächliches Motiv im Oeuvre des Künstlers ab. Jedoch verbindet man seine Häuser ganz selbstverständlich mit sozialen Beziehungen: Stehen sie unverbunden nebeneinander, schauen sie uns an. Stehen sie sich gegenüber, sprechen sie miteinander. Öfter betont Antes durch besondere malerische Behandlung in einem Gemälde: hebt hier ein Dach farblich hervor, lässt dort eine Wand verschwinden. „Man fragte sich, warum er das Thema Kopf nun auf einmal aufgegeben hatte. Das Technische, Praktische, gar Bewohnbare mancher Köpfe hat Antes wohl zu dererweiterten Übernahme von Hausformen gebracht. Beides sind Behausungen, einmal von Gedanken und einmal von Menschen mit ihren Gedanken.“ (Sabine Fehlemann)
Dr. Jürgen Fitschen