Jakob Roepke

1960 geboren in Kassel, 1981-1988 Studium in Offenbach und Edinburgh, lebt und arbeitet 1997 in Berlin und Offenbach

Man könnte sagen: Die ungegenständliche Bildhauerkunst insbesondere ist von drei unterschiedlichen Hauterscheinungsweisen bestimmt: Ausdehnung, Licht und Farbe. Die beiden Letzteren sind teilweise Funktionen der haptischen Werte des plastischen Körpers. Entscheidend ist der erste Geschichtspunkt in den vielfältigen Möglichkeiten von Körper-Raum-Beziehungen der bildhauerischen Schöpfung, dem Verhältnis von Masse und Oberfläche, Fläche und Umriss, Körper- oder Raumform. Johann Gottfried Herder würdigte einst Bildhauerkunst deshalb als „(ab-)tastbare Wahrheit“. Jakob Roepke ist ein Künstler, der zwar ungegenständlich arbeitet, am Ende jedoch nicht verhindern kann, dass man manches doch mit dem einen oder anderem in der Welt identifizieren möchte. Die Reliefs, die in einer inzwischen größeren Serie über einige Jahre nun entstanden sind, tragen zumeist keinen Titel. Sie sind aus einfacher Graupappe geschaffen, die weiß eingefärbt ist, und bieten nichts anderes als die in gewisser Weise repetierende Variation eines formalen Themas, nämlich die Anordnung geometrischer, zumeist aus dem Dreieck und Viereck entwickelter Körper zu einem „Gebirge“ auf rechteckigem Grund. Diese Strukturen erheben sich jede für sich maßvoll auf geringer Fläche und gewinnen erst richtig an Kraft, indem man sie in Gruppen zu zweit, dritt oder ein Vielfaches davon wiederum auf rechteckigem Grundriss an eine Wand installiert. Die Oberflächen spielen dann mit dem Licht, gleich ob von der Seite oder von oben, und zeigen helle, graue und ganz dunkle Flächen, gewinnen Volumen und Masse und vielmehr Raum, als das Relief in Wirklichkeit hergibt. Sie wirken tatsächlich wie ein auf Kammlinien und Grate beschränktes Gebirge, das man von oben betrachtet. Es kommt auf die Maßverhältnisse von Flächenabschnitten und Teilungsverhältnisse von einzelnen Strecken an. Zu Gruppen zusammengestellte Reliefs scheinen nicht zufällig ausgewählt. Oberflächen, Linien, Flächen, Körper bilden vielmehr einen über das einzelne Relief hinausweisenden Rhythmus aus, der so etwas wie ein Konzert ergibt, indem das einzelne Stück aufgehoben wird im Miteinander des Ganzen.

 

Dr. Jürgen Fitschen