Michael Croissant

Text zu Kopf (Gabler Nr. 1080)

Neben den stelenförmigen Objekten und sockellosen Bodenplastiken zählen die Köpfe Croissants zu seinen bevorzugten Werken. Köpfe und Helme waren in Michael Croissants Werk schon in den sechziger Jahren Ausgangspunkt für geometrische Abstraktionen. Äquivalenzen im künstlerischen Material für menschlichen Ausdruck zu suchen und dabei neuartigen künstlerischen Beschreibungsmöglichkeiten auf die Spur zu kommen – in Materialoberflächen, Biegungen, Schnitten, Wölbungen, Kanten, Weitungen, Verengungen etwa quasi mimische Ausdrucksträger zu finden –,  ist der Sinn jener künstlerischen Variationen des Kopfthemas.  


Text zu Figur (Gabler Nr. 1267)

Die Figur von 1997 gehört zu jenen stelen- oder säulenartigen „Objekten“, denen vordergründig nichts Bildliches mehr anzuhaften scheint, die dennoch Erinnerungen an den menschlichen Körper sind. Man darf sie deshalb in der Reihe jener Werke sehen, mit denen die zeitweise vergessene, nun zunehmend wiederentdeckte Leistung Croissants als eines bedeutenden Bildhauers der deutschen Nachkriegsmoderne verbunden ist. Er hatte entscheidenden Anteil an der Verwandlung einer „Bilderwelt“ der Skulptur und Plastik in bildhauerische Zeichensysteme, mit der sich eine ganze Generation abstrakter oder ganz ungegenständlich arbeitender Bildhauer befasste. Aber was für eine Memoria humana ist gemeint? Nach einer existentialistischen Phase in den fünfziger und sechziger Jahren, in der sich Croissant noch während des Studiums in München nach Richier und Giacometti auszurichten begann, fand er eine Form und seinen künstlerischen Auftrag ab den siebziger und achtziger Jahren: Die Abstrahierung der Naturform in möglichst konzentrierte, allgemeine und an der Grenze der Ungegenständlichkeit agierende Gestaltzeichen, deren Abgeschlossenheit und Kühle den Geist zu beschreiben suchen, nicht das Fleisch des Menschen.

Dr. Jürgen Fitschen


Text zu Kopf (Gabler Nr. 762)

Michael Croissants Skulpturen verbinden das verletzte und verletzbare Menschenbild der Moderne mit den klassischen Bildhauertraditionen. Die strengen, blockhaften Metallarbeiten führen die vom menschlichen Körper abgeleiteten Grundmotive (Kopf, Figur) dicht an die Grenze zur Abstraktion. Fasziniert von der Ausdruckskraft afrikanischer Masken und angeregt durch Vorbilder wie Wilhelm Lehmbruck, Jacques Lipchitz, Alberto Giacometti verarbeitete Croissant ab den frühen 1970er Jahren industriell vorgefertigte Eisen- und Bronzebleche. Das am Schraubstock formbare Material ermöglichte dem Künstler, aus einer geometrischen Grundform heraus ein reizvolles Wechselspiel aus gegensätzlich gewölbten Flächen und gebogenen Kanten zu entfalten. Es sind eben diese zarten Rundungen und gefalteten Wöl¬bung¬en des geschweißten Metalls, die in linear verdichteter Form das räumli¬che Erleben der Arbeiten von Michael Croissant beherrschen.

Dr. Annegret Kehrbaum