Pablo Picasso

Mit minimalen Mitteln – fünf gut deckenden Buntstiften und wenigen, aber genau platzierten Stiftbewegungen - hat Picasso auf diesem Blatt ein ausdrucksvolles Clownsgesicht skizziert.

Die Grundzüge des Clownskopfes umriss er treffsicher mit einem schwarzen Stift: Ovales Gesicht, kraus abstehendes Haar, Nasenlöcher und wellenförmige Mundlinie. Entscheidender Ausdrucksträger der Zeichnung sind aber die großen Augen des Gauklers. Diese besitzen nach typischer Clownmanier je ein gesenktes und ein gehobenes Lid; auch die buschigen Augenbrauen folgen dem Ausdruckswechsel zwischen melancholischem Herabschauen und aktivem Aufblicken. Das lineare Grundgerüst des Gesichts wird ergänzt durch sparsam gesetzte farbige Details: In einem warmen Gelb hat Picasso die Halskrause, die gerunzelte Stirn sowie die traditionelle weiße Ummalung des Mundes angedeutet. Den blauen Stift setzte er nur zur Umkreisung der Iris und für die für seine Kunst so charakteristische Augen-Nasen-Kontur ein. Ein kräftiger Rotton markiert in zwei dynamischen Spirallinien die roten Backen und Verzierungen an der Halskrause, während grobe, kurze Striche in Grün die Fortführung der Brustpartie skizzieren. Jeder Strich sitzt – und das Ergebnis ist ein einmaliges Blatt, das in Blau am oberen Rand die Widmung „Pour Dominique“ und die Signatur des Künstlers zeigt.

 

Die Zeichnung befindet sich auf der ersten Seite des Buches Le Petit Monde de Pablo Picasso von David Douglas Duncan, Hachette, Paris 1959. Der Fotoessay ist der erste von etlichen Bildbänden, die der amerikanische Fotograf David Douglas Duncan (geboren 1916 in Kansas City, Missouri) über das Leben und die Arbeit Picassos veröffentlichte. 1957 fotografierte Duncan Picasso in einer Clown-Verkleidung in dessen Villa La Californie bei Cannes. Zeit seines Lebens hat Picasso der Welt des Zirkus viele Motive entnommen, des Öfteren hat er sich selbst als lächerlicher Clown wiedergegeben.

 

Ein besonderes Band zwischen Picasso und dem Fotografen Duncan bildete übrigens der Dackel Lump, der sein erstes Lebensjahr mit Duncan in Rom verbracht hatte, bevor Duncan ihn am 19. April 1957 bei einem Besuch bei Picasso dem Künstler überließ. Lump, der während Duncans Besuch eine auffällige Zuneigung zu dem Maler demonstriert hatte, wurde Picassos treuer Begleiter; er starb am 29. März 1973, zehn Tage vor Picasso. Picasso hat das Tier auf einem Teller, in Zeichnungen und in einer Gemäldeserie mit 45 Interpretationen nach Velazquez vielfach porträtiert. 2006 erschien Duncans Fotoband „Picasso & Lump“.

 

Hinsichtlich der Widmung „Pour Dominique“ könnte es sich möglicherweise um den Dichter und Kunstkritiker Dominique Fourcade, geboren 1937 in Paris, handeln. Foucarde hat sich auf dem Gebiet der Bildenden Kunst unter anderem ausgiebig mit dem Werk von Henri Matisse beschäftigt; in vielen Projekten arbeitete er mit zeitgenössischen Künstlern und Tänzern zusammen. 1970 erschienen seine ersten Gedichte. Foucarde zählt heute zu den erfolgreichsten Dichtern Frankreichs, er hat mehr als 20 Bücher veröffentlicht und lebt in Paris.