Text zu Jardinière
Kurz bevor Paul Gauguin zu einer ersten Reise auf die karibische Insel Martinique aufbrach traf er im Jahre 1886 in Paris auf den in dieser Zeit sehr geschätzten und fortschrittlichen Keramiker Ernest Chaplet. In dessen Werkstatt arbeitete Gauguin eine Weile, fertigte mit diesem in gemeinsamer Anstrengung viele Gefäße an und beteiligte sich an der farbigen Fassung von verschiedenen Steinguterzeugnissen. Nach seiner Rückkehr aus der Karibik nahm er diese Tätigkeit wieder auf und entwarf zwischen 1887 und wohl 1895 eine Anzahl von keramischen Werken: Figuren, Vasen, Krüge und Töpfe. Man schätzt die Zahl auf über 50. Sie wurden teilweise rundherum farbig bemalt, auch mit farbigen Glasflüssen geschmückt und zeigten Schäfer- oder Gartenmotive oder auch Gottheiten karibischer Völker und ähnliches. Einige dieser Keramiken sind nach dem Tod Gauguins in Bronze abgegossen und zum Teil farbig gefasst worden. Der zeitgenössische Kunstkritiker Albert Aurier urteilte schon 1891: „Wie soll man diese eigenartigen, barbarischen, wilden Keramiken dieses Genies beschreiben, die vielmehr aus der Seele als aus toniger Erde hervorgegangen sind?“ Dennoch sind sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu besonderer Wertschätzung gelangt.
Dr. Jürgen Fitschen