Renèe Sintenis

„Ich habe mein ganzes Leben mit Tieren verbracht. Es lag über mir eine vollkommene Unfähigkeit, mit Menschen auszukommen, mit ihnen zu leben. Die Tiere waren mir eine absolute Zuflucht gegenüber all den Anforderungen des Lebens an mich, denen ich mich nicht gewachsen fühlte, weil sie wie ein Stück fremden Organismus in meinem Körper waren. Die Tiere forderten nichts von mir, sie wollten nichts, bei ihnen durfte ich ich selber sein.“

Renée Sintenis




Text zu Liegendes Fohlen und Fohlen mit angehobener linker Hinterhand

Pferde sind die wohl berühmtesten Motive im Schaffen von Renée (Renate Alice) Sintenis, die sich vor und während des Ersten Weltkriegs in Berlin in der Reihe der großen deutschen Bildhauer etablierte. Schon früh konzentrierte sich Sintenis auf kleine Formate und folgte auch motivisch ganz ihren subjektiven Neigungen, die auf das Junge, Unverbrauchte und Lebendige abzielten.

Das Motiv des Fohlens ent¬wickelte die Bildhauerin über den langen Zeitraum von 1915 bis 1951. Das Fohlen mit angehobener linker Hinterhand und das Liegende Fohlen, beide aus dem Jahr 1919, zeugen von den ruhigen, festen Formen und den glatten Oberflächen der frühen Schaffensphase. In der Natur beobachtete Details wie die angehobene Hinterhand oder die typische Kopfhaltung des liegenden Fohlens ordnen sich harmonisch in die Geschlossenheit der großen Form ein - zeitloser Ausdruck eines erfüllten Daseins in der Welt der Tiere.

Dr. Annegret Kehrbaum