Sam Francis

„Paper is much more beautiful than canvas. It´s deeper. I like the way the paint flows into the fiber.“ (“Papier ist viel schöner als Leinwand. Es ist tiefer. Ich mag es, wie die Farbe in die Fasern fließt.“ (Sam Francis)

Sam Francis – ein Künstler und Weltbürger, der in verschiedenen Ländern der Erde lebte und arbeitete, über viele Jahre hinweg zwischen mehreren Ateliers pendelnd. Außerhalb Kaliforniens arbeitete Francis in Paris und Bern, Tokio und New York. Vor diesem kosmopolitischen Hintergrund fand er seinen eigenen Stil und gilt heute als bedeutender Vertreter des so genannten „Action Painting“.

Ende der 1940er Jahre fand der Kalifornier im Umkreis des abstrakten Expressionismus zur Malerei. Seine Vorbilder waren Clyfford Still, Arshile Gorky und Mark Rothko. 1950 ging Francis nach Paris, wo er bis 1951 das Atelier von Fernand Léger frequentierte und in den Museen Cézanne, Monet und Matisse für sich entdeckte. 1952 fand seine erste Einzelausstellung in der Galerie Nina Dausset statt. 1956 bezeichnete das Time Magazine Francis als den „am meisten angesagten amerikanischen Maler in Paris“. In jener Zeit gewann die Farbe in seinem Schaffen immer mehr an Bedeutung. 1959 begann Francis die Serie der „Blue Balls“, die früh als ein Wendepunkt in seinem Schaffen erkannt wurde. Mehr als drei Jahre lang verwendete Francis Blau in allen nur erdenklichen Formen und Bildformaten.

1962 bezog Francis ein Atelier in Santa Monica, das erste der kalifornischen Ateliers, die er sich bis zu seinem Lebensende einrichten sollte. Die Ateliers in Bern, New York, Paris und Tokio behielt er parallel. Besonders Japan sollte ab 1964 ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit werden. In den 1970er Jahren hielt er sich wiederum viel in der Schweiz und in Paris auf, in einer Zeit, als er sich auch mit der Psychoanalyse von C. G. Jung auseinandersetzte. 1975 kehrte er nach Santa Monica zurück, um von nun an dauerhaft in Kalifornien zu leben.

Die Lehren des Zen, die Francis in Japan kennen lernte, formten sein Bewusstsein für die universalen Dimensionen der individuellen Existenz; die Psychoanalyse vermittelte ihm die Präsenz eines kollektiven oder universalen Unterbewusstseins. Francis glaubte fest daran, dass Malerei ein intuitives Mittel sei, solche metaphysischen Wahrheiten zu erkennen. So veränderte die östliche Zen-Philosophie ab den späten 1960er Jahren seine Sensibilität im Umgang mit leeren Zonen auf dem Trägermaterial, wodurch die so genannten „edge paintings“ entstanden.

Im Gegensatz dazu erblühte in den späten 1980er und 1990er Jahren die Farbe in seinen Werken noch einmal in einem dicklich-fließenden, teilweise nervös-tropfenden Farbauftrag so intensiv, dass nun das Weiß in seinen Arbeiten fast völlig verschwand. Die Farbe als Hauptakteur seiner Kunst konnte auf diese Weise in Francis´ Spätwerk noch einmal ihre ganze Wirkungskraft entfalten.

Das vorliegende Konvolut von 12 Arbeiten auf Papier enthält herausragende Werkbeispiele aus verschiedenen Phasen des malerischen Werks von Sam Francis, mit Schwerpunkten auf der Pariser Zeit der späten 1950er Jahre und der Zeit um 1980, als der Künstler die gitterartigen Kompositionsstrukturen der 1970er Jahre zugunsten des späten freien Farbauftrags aufzulösen begann.

Das Trägermaterial Papier erfuhr durch Sam Francis eine besondere Wertschätzung, denn er liebte das Saugende und Faserige dieses Werkstoffs beim Verstreichen und Verlaufenlassen der Farbe (siehe auch Eingangszitat). Hinsichtlich der Farbmittel spielte Acrylfarbe mit ihrem sehr variablen Einsatzspektrum ab den späten 1960er Jahren die Hauptrolle im Farbenreich des Künstlers. Francis benutzte allerdings eigens für ihn gemischte Farbmittel mit einem deutlich erhöhten Pigmentanteil.

Eine besonders qualitätvolle Arbeit im Konvolut der 12 Papierarbeiten, SF59-025, fällt nicht nur durch ihr großes Format (48,2 x 60,1 cm) und durch die Wahl der Gouache-Technik auf. Das auf Seite 1 abgebildete Werk aus dem Jahr 1959 gehört in den Zusammenhang der in jenem Jahr in Paris begonnenen Serie „Blue Balls“ und überzeugt durch die überaus harmonische Verteilung von dunklen und wässrig-hellen Farbflächen, die den Bilddiagonalen folgend in freiem Pinselduktus den Grundton Ultramarin variieren. Wenige grüne und gelbe Pinselstriche und Farbspritzer erzeugen den Eindruck einer zarten, wenngleich Format greifenden Belebung der blau dominierten Farbwelt. Die subtilen Spritzbewegungen des getränkten Pinsels kommen vor allem auch deshalb zur Geltung, weil der helle Papiergrund überall durchscheint, was der Komposition eine energievolle Leichtigkeit verleiht.