Otto Piene

Karmin, 1996

Öl und Feuer auf Leinwand
18 × 24 cm
Verso signiert, datiert und betitelt; Auf dem Keilrahmen nochmals signiert, datiert sowie mit Widmung Am Keilrahmen noch einmal signiert, datiert, gewidmet
Provenienz:
Atelier des Künstlers
Privatsammlung, Deutschland (Geschenk des Künstlers 1998)
Privatsammlung (durch Erbschaft, bis 2015)
Privatsammlung, Süddeutschland (2015-2024)
Preis:
€ 26.000
1961 entstehen die ersten „Feuerbilder“ von Otto Piene, die bis in sein spätes Schaffen in zahlreichen Modifikationen von zentraler Bedeutung bleiben. Ihnen gemeinsam sind als wesentliche und wiederkehrende Elemente kreisförmige Volumen sowie eine ideelle, teils mittels der Bildtitel angedeutete Konnotation, die sie mit Prozessen und Formen in der Natur und dem Kosmos verbindet.
Zur Werkgruppe der „Feuerbilder“ gehört das 1996 gearbeitete, nach einem organischen, roten Farbstoff benannte Bild „Karmin“. Es zeigt auf rotem Grund ein zentral im Bildfeld schwebendes und in Teilen gelbes Volumen oberhalb eines gelb-roten Bildstreifens. Die Oberfläche des Werkes ist aufgrund der Einwirkung von Feuer teils von lebhaft blasig-krustiger Erscheinung.
Sowohl Gelb, als auch Rot sind in Pienes Werk von zentraler Bedeutung. Gelb, als Versinnbildlichung des Lichts, gehört bereits in seinen „Rasterbildern“, die ab 1958 entstehen, zu Pienes bevorzugten Farben. Verbunden mit der Kreisform des Volumens sowie der Ausbreitung des Gelbs zum unteren Bildrand hin entstehen bei Betrachtung von „Karmin“ ideelle Bezüge zur Sonne und ihrer Lichtwirkung. Die Farbe Rot spielt ebenfalls ab 1958 eine zentrale Rolle in Pienes Werk. 1958 stellen Piene und Heinz Mack eine ihrer legendären „Abendausstellungen“ unter das Motto „Das rote Bild“. Ab 1959 arbeitet Piene in seinen „Rauchzeichnungen“, „Rauchbildern“ sowie wenig später dann den „Feuergouachen“ und „Feuerbildern“ bevorzugt mit Rot.
Mit der Einbeziehung von Feuer in den künstlerischen Schaffensprozess verfolgt Piene die Absicht, „Malen wie das Werden in der Natur als dirigierten selbsttätigen Vorgang geschehen zu lassen“. Vom Künstler zwar initiiert und in gewissem Sinne gelenkt, kann dieser die Kraft des Feuers nur bis zu einem bestimmten Punkt kontrollieren: ein selbsttätiger, natürlicher Prozess setzt in der Entstehung des Kunstwerkes ein.