Adolf Luther

Ohne Titel (Hohlspiegelobjekt), 1975

Spiegelobjekt mit 11 Spiegelstreifen
39 × 105 × 5,5 cm
Verso signiert und datiert, zwei Stempel in Rot: „SEHEN/IST/SCHÖN“ sowie „LUTHER/LICHT U. MATERIE“
Provenienz:
Atelier des Künstlers
Privatsammlung, Berlin
Literatur:
65 Jahre Galerie Koch, Ausst.-Kat. Galerie Koch, Hannover 2020, S. 12f.
Kunst-Stücke: Eine Ausstellung auf Reisen, München - Hannover - Köln, Ausst.-Kat. Galerie Koch, Hannover 2021, S. 20.
Das Werk des Krefelder Künstlers Adolf Luther kreist um das Thema Licht und Materie, wobei er sich bei seinen künstlerischen Recherchen auf die erstmals 1949 in deutscher Sprache erschienene Schrift Licht und Materie des französischen Physikers und Nobelpreisträgers Louis de Broglies stützt. Luthers Werke tragen daher rückseitig den Stempel LICHT U. MATERIE. Seit den frühen 1960er Jahren verwendet der Künstler für seine Werke industriell gefertigte Materialien, zunächst Glasbruchstücke, dann Brillengläser, Linsen, Prismen und Hohlspiegel. Die vorliegende Arbeit gehört in die Werkgruppe der Hohlspiegelobjekte. Diese entstehen ab Mitte der 1960er Jahre unter Verwendung konkav
oder konvex geformter Hohlspiegel, die von runder, quadratischer oder rechteckiger Form sowie einzeln oder in serieller Reihung verwendet sein können. In allen Fällen ist der Aufbau geometrisch.

Das 1975 geschaffene, vorliegende Hohlspiegelobjekt Luthers ist in seiner Formgebung äußerst selten: es besteht aus 11 rechteckigen, streifenförmigen Hohlspiegeln, die alternierend konkav oder konvex gewölbt in einem rechteckigen, schwarzen Kastenrahmen installiert sind. Dieser kann sowohl als Quer- und Hochformat gehängt werden. Der sich in den Hohlspiegeln auf verschiedene Weise in seiner Materialität spiegelnde Raum sowie die sich vielfältig ergebenden immateriellen Lichtphänomene, aber auch die minimalistische Konstruktion tragen zur ästhetischen Faszination der Hohlspiegelobjekte Luthers bei. Luthers Auseinandersetzung mit dem Licht bringt ihn in Kontakt mit den Künstlern der Zero-Bewegung, in deren Ausstellungen er ab 1963 vertreten ist. Seine künstlerisch erfolgreichste Phase sind jedoch die 1970er Jahre: nach einer retrospektiven Einzelausstellung im Städtischen Museum Schloss Morsbroich 1969, folgen Einzelausstellungen in Museen wie dem Folkwang-Museum in Essen (1971), der Städtischen Kunsthalle in Düsseldorf (1974) sowie dem Museum Haus Lange in Krefeld (1977).