Lucio Fontana

Rosario di Santa Fé (Argentinien) 1899 - 1968 Comabbio (bei Varese)

Ausgewählte Werke

Concetto spaziale
1966

Vita

19.02.1899
Lucio Fontana wird in Rosario di Santa Fé in Argentinien geboren. Beide Eltern sind gebürtige Italiener, sein Vater ist der italienische Bildhauer Luigi Fontana. Nach erreichen des schulfähigen Alters wird Fontana von seinen Eltern zu Verwandten nach Italien geschickt.
1906 - 1911
Besuch der Torquato Tasso Schule in Biumo Inferiore bei Varese. Fontana lebt bei seinem Onkel in Castiglione Olona (Varese).
1911 - 1914
Fortsetzung der Schulausbildung am Collegio Arcivescovile Ballerini in Seregno.
1914 - 1916
Beginn seiner Ausbildung als Bildhauer in der Werkstatt seines nach Italien zurückgekehrten Vaters sowie Studium an der Baugewerkschule am Istituto tecnico Carlo Cattaneo in Mailand.
1916
Mit Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg meldet sich Fontana freiwillig zum Kriegsdienst.
1918
Im Krieg verwundet, kehrt Fontana nach Mailand zurück, wo er sein Studium fortsetzt.
1920
Nach seinem Diplom als Baumeister schreibt sich Fontana an der Accademia di belle arti di Brera in Mailand ein.
1921
Fontana verlässt die Kunstakademie in Mailand und kehrt nach Rosario di Santa Fé in Argentinien zurück, wo er in die Bildhauerwerkstatt seines Vaters "Fontana y Scarabelli" eintritt.
1924 - 1927
Fontana löst sich von der väterlichen Werkstatt und macht sich als freischaffender Bildhauer in Rosario selbstständig. Zwischen 1925 und 1927 gewinnt er verschiedene öffentliche Wettbewerbe und erhält seinen ersten bedeutenden Auftrag, das "Denkmal für Juana Elena Blanco" (1927) in Rosario, das Bezüge zu den Bildwerken von Aristide Maillol aufweist.
1927 - 1929
Mitte 1927 kehrt Fontana nach Mailand zurück, wo er das Studium der Bildhauerei an der Accademia di belle arti di Brera beginnt. Er besucht die Kurse des Bildhauers Adolfo Wildt, einem Vertreter des Symbolismus, sowie die Marmorskulptur-Klasse. Am Ende des Studienjahres (1928) wird Fontana aufgrund seines Könnens in das 4. Studienjahr aufgenommen. Ende 1929 erhält er sein Diplom für die 1928 entstandene Skulptur "El auriga" ("Der Wagenlenker"). In diesen Jahren steht Fontana stilistisch noch ganz unter Einfluss seines Lehrers Wildt, der sich in den Grabskulpturen Fontanas zeigt (z.B. Skulpturengruppe, 1928-29, für das Grab Berardi auf dem Mailänder Cimitero Monumentale.
1930
Teilnahme an der 27. Biennale von Venedig sowie erste Einzelausstellung in der Galleria Il Milione. In dieser präsentiert er die Plastik "Uomo Nero" (1930, Gips, coloriert; verloren), die Fontanas formale Lösung von akademischen, klassischen Vorbildern bedeutet.
1931 - 1935
Fontana setzt sein mit "Uomo nero" begonnenes experimentelles künstlerisches Schaffen fort. Es entstehen Zeichnungen sowie die sogenannte "tavolette graffite". 1934 beginnt er eine Serie abstrakter Plastiken, bestehend aus geometrischen Gipsformen sowie diese tragende Drahtkonstruktionen, die er 1935 in einer Einzelausstellung in der Galleria Il Milione präsentiert. 1934 schließt er sich der Pariser Gruppe "Abstraction-Création" an.
1935 - 1940
Fontana experimentiert mit dem Werkstoff Keramik. Es entstehen in der Werkstatt des mit Fontana befreundeten Keramikers Giuseppe Mazzotti in Albisola keramische Plastiken. Es entstehen in der Folge auch einige Skulpturen in polychromem Mosaik. Ferner realisiert Fontana das Relief "Volo di Vittorie" (1939) für das "Sacrario dei caduti fascisti" der jungen Architekten Gianni Albricci, Luigi Mattioni, Mario Tevarotto, Gianluigi Reggio, Mario Salvadé und Marco Zanuzo. Anfang des Jahres 1940 beginnt Fontana an einem monumentalen Kopf der Medusa in schwarzem und goldenem Mosaik für die VIII. Triennale di Milano zu arbeiten. Vor Eröffnung der Ausstellung kehrt Fontana nach Rosario in Argentinien zurück. Rückkehr nach Rosario in Argentinien.
1940 - 1947
Noch 1940 kehrt Fontana nach Rosario di Santa Fé in Argentinien zurück. Hier unterbricht Fontana zunächst seine experimentelles, abstrahierendes plastisches Schaffen. Er realisiert private Aufträge, nimmt an Gruppenausstellungen teil und kann in Einzelausstellungen seine Werke präsentieren. Er als Professor für Skulptur an die Esquela de Arges Plasticas in Rosario berufen und lehrt an der Accademia di Belles Artes in Buenos Aires. 1946 gründet er zusammen mit Jorge Rornero Brest und Jorge Largo die avantgardistisch geprägte Kunstschule "Altamira, Escuela libre de artes plàsticas" in Buenos Aires. In der inspirierenden Atmosphäre der neu gegründeten Schule und in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Studenten und Intellektuellen publiziert Fontana 1946 das von Futurismus und Surrealismus beeinflusste "Manifesto blanco", in dem die Ideen einer neuen Kunst formuliert werden. Im selben Jahr verwendet Fontana erstmals den Begriff "Concetto Spaziale" im Titel einer Gruppe seiner Zeichnungen.
1947 - 1950
Im April 1947 kehrt Fontana nach Mailand zurück. Er nimmt sein keramisches Schaffen in Albisola wieder auf. In Mailand kommt er in Kontakt mit einer Gruppe junger Künstler mit denen Fontana die Bewegung des "Spazialismo" begründet sowie noch 1947 das "Primo Manifesto dello Spazialismo" verfasst. 1948 folgt das "Secondo Manifesto dello Spazialismo", 1951 das "Manifesto technico dello Spazialismo". 1949 entstehen die ersten von Fontana sogenannten "Buchi", denen er den Titel "Concetto spaziale" gibt, sowie sein erstes "Ambiente spaziale" das "Ambiente nero" (auch "Ambiente spaziale a luce nera" bezeichnet), das er in der Galleria del Naviglio in Mailand präsentiert und als erstes Environment der modernen Kunst gilt.
1951 - 1960
Auf der IX. Triennale von Mailand (1951) ist Fontana mit mehreren raumbezogenen Werken vertreten, darunter eine in Bögen geschwungene, von der Decke frei herabhängende Neonröhre. Neben bauplastischen Werken realisiert Fontana in den 1950er Jahren eine Reihe von Serien ("Pietre", 1951-1956; "Barocchi", 1954-1957; "Gessi", 1954-58). 1954 erhält Fontana auf der 27. Biennale von Venedig einen eigenen Raum, in dem er u.a. seine "Buchi" präsentiert. Auch 1958 erhält er auf der 29. Biennale von Venedig einen eigenen Raum für seine neuesten Werke, darunter die sogenannten "Inchiostri". Ende 1958 entstehen die ersten "Tagli", Schnitte durch monochrom gefasste Leinwände, die Fontana im Februar 1959 in einer Einzelausstellung in der Galleria Il Naviglio in Mailand sowie in der Folge in der Galerie Stadler (Paris), auf der Documenta in Kassel, der 5. Biennale von Sao Paolo (Brasilien), derr Galerie L'Attico in Rom, der Galerie Schmale in Düsseldorf (1960) sowie in der Galerie McRoberts & Tunnard in London (1960) zeigt. In diesen Jahren entstehen zwei weitere Serien, die "Quanta" (1958-1969) sowie seine "Nature" (1959-1960).
1961 - 1968
Fontana realisiert in diesen Jahren verschiedene neue Serien, darunter die "Olii", "Metalli" (1961-1968) sowie "La Fine di Dio" (1963-1964) sowie ferner zwischen 1963-68 weitere "Bucchi", nun oftmals auf ovalen Bildträgern. 1968 zieht Fontana nach Comabbio um, wo er am 7. September 1968 verstirbt.

Auszeichnungen

1966
"Preis der 33. Biennale von Venedig",

Einzelausstellungen (Auswahl)

1930
"Lucio Fontana", Galleria del Milione, Mailand, Italien
1934
"Lucio Fontana", Galleria del Milione, Mailand, Italien
1935
"Lucio Fontana", Galleria del Milione, Mailand, Italien
1937
"Lucio Fontana", Galleria del Milione, Mailand, Italien "Fontana", Galerie Jeanne Bucher-Myrbor, Paris, Frankreich
1938
"Ceramiche di Lucio Fontana", Galleria del Milione, Mailand; Galleria Genova, Genua, Italien "Viaggio sottomarino", Galleria del Milione, Mailand, Italien
1940
Galerie Renom, Buenos Aires, Argentinien
1941
"Lucio Fontana", Galeria Müller, Buenos Aires, Argentinien
1942
"Il Exposición, Ciclo 1942, Obras del escultor Lucio Fontana", Museo Municipal de Bellas Artes de Santa Fe, Rosario, Argentinien
1945
"50 Exposición de Impulso: Obras de Lucio Fontana", Buenos Aires, Argentinien
1948
"e ultime ceramiche della scultura Lucio Fontana", Galleria del Camino, Mailand, Italien
1949
"L’ambiente spaziale di Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien "Concetti spaziali di Lucio Fontana", Libreria A. Salto, Mailand, Italien
1950
"Lucio Fontana", Galleria del Milione, Mailand, Italien
1952
"Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien
1953
"Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien
1955
"Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien
1957
"Lucio Fontana", Galleria del Cavallino, Venedig, Italien "Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien
1958
"Lucio Fontana: 29. Biennale von Venedig", Venedig, Italien "Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien
1959
"Fontana", Galerie Stadler, Paris, Frankreich "Lucio Fontana", Galleria del Naviglio, Mailand, Italien
1960
"Lucio Fontana", Galerie Schmela, Düsseldorf "Fontana", McRoberts & Tunnard, London
1961
"Concetti spaziali: peintures 1949-61", Galerie Rive Droite, Paris, Frankreich "Concetti spaziali and Nature Sculptures", Galerie Iris Clert, Paris "Lucio Fontana: Keramik", Galerie Schmela, Düsseldorf
1962
"Fontana", Städtisches Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen "Fontana Paintings 1962", McRoberts & Tunnard, London, England Galleria dell’Artiete, Mailand, Italien
1963
"Omaggio a Fontana. Aspetti dell’arte contemporanea", Castello Cinquecentesco, L’Aquila, Italien
1966
"Lucio Fontana: The Spatial Concept of Art", Walker Art Center, Minneapolis; University of Texas Museum, Austin (weitere Stationen), "33. Biennale von Venedig (Environment zusammen mit Carlo Scarpa)", Venedig, Italien "Lucio Fontana", Marlborough-Gerson Gallery, New York, USA
1967
"Fontana", Stedelijk Museum, Amsterdam; Stedelijk van Abbe Museum, Eindhoven; Moderna Museet, Stockholm, (weitere Stationen), "Fontana", Kestner-Gesellschaft, Hannover
1968
"Fontana", Galerie Schmela, Düsseldorf "Lucio Fontana", Kestner-Gesellschaft, Hannover
1969
"Hommage a Fontana", Kunst- und Museumsverein, Wuppertal
1970
"Lucio Fontana", Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris, Frankreich "Lucio Fontana", Galleria Civica d’Arte Moderna, Turin, Italien
1972
"Lucio Fontana", Palais des Beaux-Arts, Brüssel, Belgien "Lucio Fontana", Palazzo Reale, Mailand, Italien
1973
"Lucio Fontana, porcellana, grafica, rilievi", Marlborough Galleria d’Arte, Rom, Italien
1974
"Lucio Fontana: opere", Galleria d’Arte Moderna, Turin, Italien
1976
"Lucio Fontana: Concetti Spaziali", Kunsthaus Zürich, Zürich, Schweiz
1977
"Lucio Fontana 1899–1968: A Retrospective", Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA "Concetti spaziali: la grafica e gli ambienti di Lucio Fontana", Castello Sforzesco, Mailand, Italien
1978
"La donazione Lucio Fontana: proposta per una sistemazione museográfica", Palazzo Reale, Mailand, Italien
1980
"Fontana", Palazzo Pitti, Florenz, Italien
1983
"Lucio Fontana", Staatsgalerie Moderne Kunst, München; Mathildenhöhe, Darmstadt
1984
"Lucio Fontana", Kunsthalle Bielefeld, Bielefeld, Italien
1986
"Lucio Fontana", Museum of Modern Art, Toyama; Seibu Museum of Art, Tokyo, Japan
1987
"Lucio Fontana", Musée national d’art modern, Centre Georges Pompidou, Paris; La Fundacion la Caixa, Barcelona,
1988
"Lucio Fontana", Stedelijk Museum, Amsterdam; Whitechapel Art Gallery, London, "Omaggio a Lucio Fontana—Hommage to Lucio Fontana", Peggy Guggenheim Collection, Venedig, Italien
1991
"Lucio Fontana. La scultura in ceramica", Galleria Comunale d’Arte Moderna, Bologna, Italien "Lucio Fontana. Opere su carta", Pinacoteca Civica – Palazzo Volpi, Como, Italien
1996
"Lucio Fontana. Retrospektive", Schirn Kunsthalle, Frankfurt a.M.; Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien,
1997
"Lucio Fontana: Il Disegno. Zeichnungen und Skulpturen", Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach, Mönchengladbach
1999
"Fontana", Fondazione Lucio Fontana, Mailand, Italien
2006
"Lucio Fontana: Venice/ New York", Peggy Guggenheim Collection, Venedig; Solomon R. Guggenheim Museum, New York,
2007
"Lucio Fontana Sculptor", Castello di San Giorgio, Turin, Italien
2014
"Lucio Fontana: Retrospective", Musée d’Art Moderne, Paris, Frankreich
2019
"Lucio Fontana: On the Threshold", Metropolitan Museum of Art, New York,

Gruppenausstellungen (Auswahl)

1930
"17. Biennale von Venedig", Venedig, Italien
1933
"V. Triennale di Milano", Mailand, Italien
1936
"VI. Triennale di Milano", Mailand, Italien
1948
"24. Biennale von Venedig", Venedig, Italien
1950
"25. Biennale von Venedig", Venedig, Italien
1954
"27. Biennale von Venedig", Venedig, Italien
1958
"29. Biennale von Venedig", Venedig, Italien
1959
"documenta II", Kassel
1964
"32. Biennale von Venedig", Venedig
1965
"Nul", Stedelijk Museum Amsterdam, Amsterdam, Niederlande
1966
"Alberto Burri and Lucio Fontana", Museum of Modern Art (Wanderausstellung; weitere Stationen in den USA), New York, USA
1968
"36. Biennale von Venedig", Venedig, Italien "documenta 4", Kassel
1994
"The Italian Metamorphosis", Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA
1997
"The Age of Modernism. Art in the 20th Century", Martin-Gropius-Bau, Berlin "47. Biennale von Venedig", Venedig, Italien
2008
"talics: Italian Art between Tradition and Revolution 1968-2008", Palazzo Grassi, Venedig; Museum of Contemporary Art, Chicago, "Zero in New York", Sperone Westwater Gallery, New York, USA
2011
"1900-1961: Italian Art in the Guggenheim Collections", Peggy Guggenheim Collection, Venedig, Italien
2015
"Zero: Let Us Explore the Stars", Stedelijk Museum, Amsterdam