Ernst Wilhelm Nay

Komposition (Figurale-Helion), 1950

Gouache über Bleistift auf Papier
16 × 21,5 cm
Signiert und datiert
Provenance:
Atelier des Künstlers
Sammlung Eberhard Seel, Berlin (bis 1965)
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Literature:
Magdalene Claesges, Ernst Wilhelm Nay: Werkverzeichnis Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen, Bd. 2:1949-1953, Ostfildern 2014, S. ???
Die 1950 entstandene Gouache "Figurale-Helion" gehört in die Werkperiode der "Fugalen Bilder" (1949-1951). Nays Kompositionen dieser Jahre sind durch farbig klar voneinander getrennte flächige Formen, insbesondere Dreiecks- und Kreisformen, sowie bogen- und schleifenförmige lineare Elemente geprägt, die auf dem Malgrund ein dichtes und dynamisches Gefüge bilden. Obwohl Nay mit der Bezeichnung des „Fugalen“ das „abstrahierende Element seiner Gestaltung“ betont,(1) verweisen Titel wie Figurale-Helion auf eine, wenn auch meist nur assoziative, Rückbindung der Kompositionen an Figürlich-Gegenständliches. Mit dem antiken, griechischen Sonnengott Helios verbinden sich in der Bildtradition Motive wie das strahlenumkränzte Haupt sowie der von Rossen zum Himmel emporgezogene Wagen. Komposition sowie Farbgebung der Gouache Figurale-Helion spielen auf diese Attribute des antiken Sonnengottes an: das Überwiegen von schräg aufstrebenden Formen sowie die linearen Bogenformen geben der Komposition eine emporgerichtete Dynamik; das Blau und Ockergelb, aber auch das Rot, rechts unten, nehmen die Farben von Himmel, Sonne und Abendrot auf, Schwarz und Braun verbinden sich assoziativ mit Dunkelheit und Nacht.
Die Gouache folgt in ihrer Komposition dem gleichnamigen Ölbild "Figurale-Helion" aus dem Jahr 1949 (WV 483), weicht jedoch in der Farbgestaltung sowie dem Formenrepertoire in Details ab.

1) Elisabeth Nay-Scheibler, in: Aurel Scheibler, Ernst Wilhelm Nay: Werkverzeichnis der Ölbilder, Bd. I: 1922-1951, Köln 1990, S. 294.