Erwin Wurm

Ein Porträt des Künstlers als junger Mann, 2011

Acrylic, paint, iron
8 × 2,7 × 2,7 cm
Unikat
Provenance:
Atelier des Künstlers;
König Galerie, Berlin
Literature:
Kunst-Stücke: Eine Ausstellung auf Reisen, München - Hannover - Köln, Ausst.-Kat. Galerie Koch, Hannover 2021, S. 58f.
Mit der täuschend echten Nachbildung einer stehenden, gekrümmten Gewürzgurke als Selbstbild dekonstruiert der österreichische Künstler Erwin Wurm das klassische Künstlerselbstbildnis und ersetzt es durch einen banalen Alltagsgegenstand. Erst der Titel, der auf den 1916 erschienenen
fiktiven autobiografischen Roman "A Portrait of the Artist as a Young Man" von James Joyce anspielt, weist die Gewürzgurke als Selbstdarstellung, genauer als eine retrospektive Selbstdarstellung des Künstlers „als junger Mann“ aus.

Die Wahl einer Gurke in diesem Kontext ist nicht zufällig, sondern Ausdruck des Humors und Sarkasmus des Künstlers. Wurm spielt mit dieser zum einen auf den Phallus an und konterkariert auf diese Weise die auf das männliche Geschlecht bezogene „Eitelkeit“ des Mannes (Erwin Wurm, 2015). Zum anderen ist die Gurke in ihrer Farbigkeit ein Hinweis auf das Heranwachsen, die Unreife. Das Adjektiv grün geht auf das althochdeutsche Verb gruoen (englisch:grow) zurück, was wachsen bedeutet. Insofern wird das Adjektiv grün in der deutschen Sprache auch in der Bedeutung von unreif, im Sinne jugendlicher Unerfahrenheit und Unfertigkeit verwendet.