Erwin Wurm

Gurke, 2017

Acrylic, paint, iron
10 × 3,1 cm
Signiert und datiert
Provenance:
Atelier des Künstlers
Thaddaeus Ropac, Salzburg
Mit der täuschend echten Nachbildung einer stehenden, gekrümmten Gewürzgurke als Selbstbild dekonstruiert der österreichische Künstler Erwin Wurm das klassische Künstlerselbstbildnis und ersetzt es durch einen banalen Alltagsgegenstand. Erst der Titel, der auf den 1916 erschienenen
fiktiven autobiografischen Roman "A Portrait of the Artist as a Young Man" von James Joyce anspielt, weist die Gewürzgurke als Selbstdarstellung, genauer als eine retrospektive Selbstdarstellung des Künstlers „als junger Mann“ aus.

Die Wahl einer Gurke in diesem Kontext ist nicht zufällig, sondern Ausdruck des Humors und Sarkasmus des Künstlers. Wurm spielt mit dieser zum einen auf den Phallus an und konterkariert auf diese Weise die auf das männliche Geschlecht bezogene „Eitelkeit“ des Mannes (Erwin Wurm, 2015). Zum anderen ist die Gurke in ihrer Farbigkeit ein Hinweis auf das Heranwachsen, die Unreife. Das Adjektiv grün geht auf das althochdeutsche Verb gruoen (englisch:grow) zurück, was wachsen bedeutet. Insofern wird das Adjektiv grün in der deutschen Sprache auch in der Bedeutung von unreif, im Sinne jugendlicher Unerfahrenheit und Unfertigkeit verwendet.