Rudolf Jahns

Der Strand, 1963

Oil on masonite
53,6 × 61 cm
Signed and dated
Provenance:
Estate Rudolf Jahns
Literature:
Ulrich Krempel, Barbara Roselieb-Jahns (Hrsg.), Rudolf Jahns. Werkverzeichnis 1917-1981, Stuttgart 2003, S. 225, Nr. 396.
Der 1896 in Wolfenbüttel geborene Künstler Rudolf Jahns, Mitbegründer der Künstlervereinigung „die abstrakten hannover“ (1927), gehört zu den deutschen Künstlern, die in Auseinandersetzung mit der internationalen Avantgarde des beginnenden 20. Jahrhunderts sich früh einer geometrisch-abstrakten Formgebung zuwenden. Bereits um 1921/22 schafft Jahns erste Werke in geometrisch-konstruktiver Gestaltung und bleibt dieser bis in sein Spätwerk verbunden. Diesem gehört das Gemälde "Der Strand" an. 1963 gearbeitet, entsteht es in einer Phase, die als schöpferischer Höhepunkt seines Spätwerkes gilt. Obwohl eine abstrakte Bildkomposition, verschränkt Der Strand konstruktive Gestaltungformen mit einem gegenständlichen Motiv. Ein charakteristisches Vorgehen für Jahns, der trotz abstrakt-konstruktiver Gestaltungsweise, dem Natur- und Landschaftserlebnis in seinem Schaffen stets große Bedeutung zumisst. In zahlreichen seiner Werke bildet dieses Anlass zur abstrakten Gestaltung. „… nicht simple Nachahmung der Natur, sondern … sinnvolle Umgestaltung“ (Jahns, 1946) ist hierfür der Maßstab, eine Haltung, die den Künstler mit Paul Klee verbindet, der die „Zwiesprache mit der Natur“ als „conditio sine qua non“ (1923) des künstlerischen Schaffens bezeichnet hat. In Der Strand verarbeitet Jahns Eindrücke eines Aufenthaltes in Südfrankreich. Stimmung und Atmosphäre dieser setzt er in eine konstruktiv-tektonisch gebaute Komposition um. Farben, Aufbau sowie die Formen der Komposition nehmen Merkmale eines flachen Sandstrandes am Meer auf. Die wenigen großflächigen Formen sowie ihre Anordnung suggerieren die Weite von Meer und Küste, die wellenförmigen Konturen der schräg geführten Flächen im unteren Bilddrittel die Bewegung des Wassers, die rautenförmige weiße Fläche die Sonne. Mit Der Strand realisiert Jahns ein ausgeglichenes, harmonisches und dennoch spannungsreiches Werk. Befragt nach dem Zweck seiner Kunst, hat Rudolf Jahns in „Von mir und meinen Bildern“ einmal geantwortet: „Ich möchte, dass die Menschen mit meinen Bildern leben. Dass sie sich in ihrer Gemeinschaft auf sich selber besinnen und sammeln und Ruhe finden in einer Welt der Unruhe und Hektik.“ Mit "Der Strand" ist dies Jahns in vollem Maße gelungen.