Text zu T.B. XXVI


Waldemar Otto ist der Vater einer Bremer Bildhauerschule, die seit den frühen siebziger Jahren auf dem Boden der figürlichen Tradition zu außerordentlich einflussreichen bildhauerischen Ideen in ikonographischer wie technisch-künstlerischer Hinsicht gefunden hat. Am Ende der neunziger Jahre experimentierte Otto mit Wachsplatten: Seine Figuren sind seitdem nicht mehr aus Ton oder Gips modelliert, sondern aus größeren, verhältnismäßig dünnen Wachsplatten geschaffen. Nach ihnen wird sodann in Bronze gegossen. Wölbungen drückt der Bildhauer mit den Händen langsam von innen nach außen. Ganz feine, spannungsvolle Übergänge lassen sich auf diese Weise nach einer Weile, gewisser Übung und Perfektionierung der Technik schaffen, die das Ansetzen von Ton an einen plastischen Kern niemals zustande bringen würde. Sie ist an zahlreichen Figuren erprobt worden, die mit T. B. und einer römischen Ziffer bezeichnet worden sind.    


Text zu Frau mit Goldtuch IV, I & II

Diese im Bremer Werkverzeichnis mit Entwurf für ein Hamburger Kontorhaus bezeichnete Reihe von Studien für ein monumentales Werk experimentiert mit dem Kontrast, den die  rötliche Patina der Bronze (eine Spezialität des Worpsweder Gießers Lothar Rieke)  und die Vergoldung des Metalls bilden. Der formal sehr reizvolle Widerstreit, in den die eher stumpf patinierte und die goldglänzende Oberfläche geraten, ist ein neues Motiv im Oeuvre Waldemar Ottos. Als Vorarbeiten für die sehr zahlreichen monumentalen Plastiken, die öffentlich auf Plätzen oder an Architekturen in Deutschland, aber auch im Ausland aufgestellt sind, hat Otto stets viele kleinere Plastiken geschaffen, die zumeist einen eigenen Werkkomplex bilden. An ihnen bildet der Bildhauer oft besondere künstlerische Fragestellungen aus, die ihn nicht selten über Jahre hinweg beschäftigen.   


Dr. Jürgen Fitschen