Daniela Gullotta

Beelitz VIII, 2013

Mixed media on wood
30 × 40 cm
Signed, dated and titled on reverse
Provenance:
The artist's studio
Bevorzugtes Sujet der in Bologna lebenden Daniela Gullotta sind Architekturruinen und somit vom Menschen geschaffene, jedoch aufgegebene Existenzräume. Als stumme Zeugen der Vergangenheit üben diese auf die Künstlerin, die an der Accademia di Belle Arti in Bologna sowie am Royal College of Art in London studiert hat, eine magische Faszination aus, die sich in ihren Bildern verlassener Räume wiederspiegelt.

2013 inspirierten die einstigen Beelitzer Heilstätten, ein zwischen 1898 und 1930 südwestlich von Potsdam errichtetes, heute denkmalgeschütztes Ensemble von 60 leerstehenden Gebäuden, die Künstlerin zu einer Serie von Bildern. Lange Korridore mit geöffneten und geschlossenen Türen wie in "Beelitz IX", Treppenhäuser sowie einzelne Räume wie in "Beelitz VIII" dokumentieren die Verlassenheit der Gebäude und bieten dem Betrachter Raum für dessen Imagination sowie Reflexion der Vergangenheit. Gullotta steht mit ihrem Werk in der Tradition der Ästhetisierung der Ruine, die erstmals im Jahr 1337 durch den italienischen Dichter und Geschichtsschreiber Francesco Petrarca in der elegischen Nobilitierung der antiken römischen Ruinen zum Emblem vergangener Zeiten erfolgt.

In ihrer Auseinandersetzung mit Architekturruinen präferiert die Künstlerin Grautöne. Diese spielen einerseits auf das Material der Architektur, den Stein, an, andererseits verbindet sich mit diesen eine Art dokumentarischer Charakter, der sich aus der Verknüpfung der Grauskala mit der Schwarz-Weiß-Fotografie und deren heutiger Funktion ergibt. Zu guter Letzt verweist Grau darauf, dass es sich hier um Malerei handelt, um die Rezeption der sichtbaren Wirklichkeit und nicht um diese selbst, denn diese wäre bunt. Das Hellgrün, das sich in "Beelitz VIII" und "IX" der Architektur zu bemächtigen scheint, verweist auf die Rückeroberung der einstigen Kulturräume durch die Natur.