Rudolf Jahns

Antibes, 1963

Watercolor on handmade paper
39,5 × 56,8 cm
Signiert und datiert, verso signiert, datiert und betitelt
Provenance:
Atelier des Künstlers
Privatsammlung, Holzminden
Literature:
Werner Schumann, Rudolf Jahns (Niedersächische Künstler der Gegenwart; Bd. 9), Göttingen 1966, S. 54 (Abb.).
Ulrich Krempel, Barbara Roslieb Jahns (Hrsg.), Rudolf Jahns. Werkverzeichnis 1917-1981, Ostfildern-Ruit 2003, S. 225, Nr. 397.
Kunst-Stücke: Eine Ausstellung auf Reisen, München - Hannover - Köln, Ausst.-Kat. Galerie Koch, Hannover 2021, S. 26f.
Rudolf Jahns gehört zu den frühen Vertretern einer konstruktiven Kunst in Deutschland und 1927 zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe „die abstrakten hannover“. Durch die Nationalsozialisten mit einem Malverbot für sein abstraktes Werk belegt, nimmt Jahns nach 1945 sein abstrakt-konstruktives Schaffen mit neuer Intensität auf. 1963 entsteht aus der Begegnung mit der südfranzösischen, an der Côte d’Azur gelegenen Stadt Antibes die gleichnamige Komposition des Künstlers. Diese nimmt in konstruktiver Form Bezug auf die architektonischen Strukturen der Altstadt Antibes, dessen Festungsmauern, die hoch emporragenden Türme des ehemaligen Château Grimaldi (Musée Picasso) und der Kathedrale, sowie die Weite des Himmels und des Meeres, angedeutet durch die schrägen Horizontlinien und ein Segelboot. Die in nur wenigen, gebrochenen Farbtönen flächig gestalteten, konstruktiven Formen überlagern und überschneiden sich teils transparent, teils opak deckend, und bilden eine Art prismatisches Bildgefüge.

Obwohl Jahns künstlerisches Schaffen in erster Linie durch eine abstrakte, konstruktive Gestaltungsweise charakterisiert ist, hat er dem Erleben der sichtbaren Wirklichkeit stets große Bedeutung beigemessen, wobei es dem Künstler nicht um eine mimetische Wiedergabe der Welt der Erscheinungen ging, sondern um einen schöpferischen Umgang mit den in ihr vorgefundenen Formen und Farben.