Rudolf Jahns

Wolfenbüttel 1896 - 1983 Holzminden

Selected Works

Kirche und Häuser
1965
Antibes
1965
Komposition Auf und Ab (No. 99)
1968
Collage, Konstr. (no. 175)
1970
Komposition, Konstr. (No. 178)
Rote Brücke (Bild No. 23)
1965
Rote Figur im Raum (Bild No. 21)
1965
Musikalische Improvisation
1966
Hommage ... Rembrandt (Bild No. 54)
1965
Konstruktiv
1928

Vita

1896
Rudolf Jahns wird am 13. März in Wolfenbüttel geboren.
1902 - 1915
Übersiedlung mit der Familie nach Braunschweig, wo Jahns nach Ostern 1902 eingeschult wird. Er besucht die Städtische Bürgerschule, später eine Oberrealschule (1915 Abitur). Jahns zeichnet und malt in seiner Freizeit und interessiert sich für die Musik. Er spielt im Schulorchester die Querflöte und erlernt zudem das Spiel auf der Piccoloflöte. Im Sommer 1914 Bekanntschaft mit dem Maler und Bildhauer Philipp Jakob Erlanger (1870-1934) mit dem Jahns vor der Natur malt.
1915 - 1918
Jahns wird im September 1915 zum Wehrdienst eingezogen. Zunächst Invanterist wird Jahns dann in Braunscheig zum Sanitäter ausgebildet und bei Hannover in einem Lazarett eingesetzt.
1919/20
Im März 1919 aus dem Wehrdienst entlassen, beginnt Jahns in Braunschweig eine Ausbildung zum Zollinspektor. Er mietet ein Atelier und malt in den Abendstunden sowie in der Freizeit. Ferner besucht Jahns Abendkurse an der Kunstgewerbeschule in Braunschweig. Er setzt sich mit der künstlerischen Avantgarde auseinander (Paul Klee, Wassily Kandinsky, Franz Marc, Lyonel Feininger, den kubistischen Werken von Pablo Picasso und George Braque u.a.). 1919 beteiligt er sich erstmals an einer Ausstellung (Braunschweig, Lessingbund). Seine Werke dieser Jahre zeigen tektonisch konstruierte Kompositionen aus geometrischen Formen, konstruktive Zeichnungen sowie von Futurismus, Kubismus sowie Expressionismus beeinflusste Figurenzeichnungen.
1920
Jahns wird als Finanzbeamter nach Holzminden versetzt, wo er weiterhin intensiv künstlerisch tätig ist.
1923
Heirat mit der Pianistin und Musikpädagogin Renate Helmke sowie Geburt des Sohnes Claus.
1924
Kontaktaufnahme mit Herwarth Walden sowie Ausstellungsbeteiligung in dessen Sturm-Galerie in Berlin (132. Ausstellung). Einsetzen einer größeren Anzahl von Ölbildern mit konstruktiven Kompositionen, teils in Auseinandersetzung mit der Landschaft, der Figur sowie der Architektur.
1925
Zusammen mit Johannes Molzahn und Thilo Maatsch Ausstellung in der "Gesellschaft der Freunde junger Kunst" (Braunschweig, Schloss), gegründet und geleitet von Otto Ralfs.
1927
Jahns lädt Kurt Schwitters in sein Atelier nach Holzminden ein, wo dieser am 24. Februar einen "Merzabend" veranstaltet. Freundschaft mit Kurt Schwitters sowie auf dessen Einladung Mitbegründer der Künstlervereinigung "die abstrakten hannover", als Ortsgruppe der "Die Abstrakten. Internationale Vereinigung der Expressionisten, Futuristen, Kubisten und Konstruktivisten" (Berlin). Mitglieder: Carl Buchheister, Rudolf Jahns, Hans Nitzschke, Kurt Schwitters, Friedrich Vordemberge-Gildewart. Später schließt sich César Domela der Gruppe an.
1928
Geburt der Tochter Barbara.
1930
Studienreise nach Paris.
1933 - 1945
In den Jahren des Nationalsozialismus erhält Jahns Malverbot. Sein 1925 entstandenes Ölbild "Abstrakte Komposition (Auf und Ab)" wird aus dem Provinzialmuseum Hannover beschlagnahmt. Jahns zieht sich zurück. Es entstehen wenige Landschaften und Zeichnungen.
1946 - 1960
Nach dem Ende der nazionalsozialischten Diktatur und des Zweiten Weltkrieges setzt Jahns künstlerisches Schaffen zunächst nur zögerlich wieder ein. 1955 tritt Jahns in freundschaftlichen Kontakt zu Nell Walden, der zu einem umfangreichen Briefwechsel sowie Besuchen in der Schweiz führt. 1958 stirbt Jahns Frau, 1960 sein Sohn Claus.
seit 1960
Zahlreiche Studienreisen (u.a. Frankreich, Jugoslawien) sowie Entstehung eines umfangreichen abstrakten Spätwerkes (Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen). Ab den 1970er Jahren zahlreiche Einzelausstellungen sowie 1981/82 erste große Retrospektive im Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel, Ludwig-Hack-Museum, Ludwigshafen, sowie dem Quadrat Bottrop Moderne Galerie, Bottrop.
1983
Rudolf Jahns stirbt mit 87 Jahren am 1. Juli 1983 in Holzminden
1994
Einrichtung der Rudolf Jahns Stiftung mit Sitz in Detmold.
1998
Gründung des Rudolf Jahns- Freundeskreises e.V. mit Sitz in Holzminden.
seit 2003
Kooperation der Rudolf Jahns Stiftung mit dem Sprengel Museum Hannover.

Awards

1971
"Verleihung der Haarmann-Plakette der Stadt Holzminden",
1982
"Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse",
1982
"Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Holzminden",

Solo exhibitions (selection)

1926
"Rudolf Jahns", Baugewerkschule, Holzminden, Germany
1970
"Rudolf Jahns: Ölbilder und Aquarelle", Kunstverein Wolfsburg, Wolfsburg, Germany
1976
"Rudolf Jahns: Gemälde und Zeichnungen 1919-1928", Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Germany
1978
"Rudolf Jahns", Lippische Gesellschaft für Kunst, Detmold, Germany
1978
"Rudolf Jahns", Städtische Galerie, Paderborn, Germany
1981
"Rudolf Jahns: Retrospektive 1919-1980", Sprengel Museum Hannover; Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen; Quadrat Bottrop Moderne Galerie, Germany
1985
"Rudolf Jahns. Ölbilder 1955-1978", Herforder Kunstverein, Herford, Germany
1987
"Rudolf Jahns. Konkrete Landschaften: Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen", Bielefelder Kunstverein; Kunstamt Berlin-Tiergarten; Städtisches Museum Braunschweig, Germany
1988
"Rudolf Jahns: Werke auf Papier", Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Germany
1996
"Rudolf Jahns: Wege zur Abstraktion", Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Germany
1996
"Rudolf Jahns. Zum hundertsten Geburtstag", Kunsthalle Wilhelmshaven; Marburger Universitätsmuseum; Stadtmuseum Holzminden, Germany
1997
"Rudolf Jahns. Linien-Spiele", Städtische Galerie Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, Germany
1999
"Rudolf Jahns. Linien-Spiele", Lippische Gesellschaft für Kunst, Detmold; Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, Germany
2001
"Rudolf Jahns: Notturno. Werke von 1919 bis 1976", Sprengel Museum Hannover, Germany
2003
"Rudolf Jahns: Retrospektive", Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, Germany
2006
"Rudolf Jahns: Malerei und Grafik", Sprengel Museum Hannover, Hannover, Germany
2010
"Rudolf Jahns", Galerie Koch, Hannover, Germany
2012
"Rudolf Jahns (1896-1983): Im Zeichen der Linie - die Entwicklung der Arbeiten auf Papier", Sprengel Museum Hannover, Hannover, Germany
2012
"Inspirationsquelle Musik: Rudolf Jahns - Gemälde und Zeichnungen", Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Kloster Cismar, Germany
2014
"abstrAKT Figurenbilder von Rudolf Jahns (1896-1983)", Kunstmuseum Moritzburg Halle, Halle, Germany
2015
"Rudolf Jahns und die Kunst nach 1945", Osthaus Museum Hagen, Hagen, Germany
2015
"Rudolf Jahns: Collagen", Kunstsammlung Chemnitz, Chemnitz, Germany

Group exhibitions (selection)

1919
"Ausstellung im Lessingbund", Lessingbund Braunschweig, Braunschweig, Germany
1921
"Zehnerbund-Ausstellung", Lessingbund Braunschweig, Braunschweig, Germany
1924
"132. Ausstellung", Der Sturm, Berlin, Germany
1925
"Mohlzahn - Jahns - Maatsch", Gesellschaft der Freunde junger Kunst Braunschweig, Braunschweig, Germany
1927
"Große Berliner Kunstausstellung", Akademie der Künste, Berlin, Germany
1927
"Herbstausstellung Hannoverscher Künstler 1927", Kunstverein Hannover, Hannover, Germany
1927
"die abstrakten hannover", Ruhmeshalle Barmen; Städtische Galerie Bochum,
1929
"Kunstausstellung Altona 1929", Altonaer Künstlerverein, Hamburg, Germany
1930
"Herbstausstellung Hannoverscher Künstler 1930", Kunstverein Hannover, Hannover, Germany
1961
"Herwarth Walden und die Europäische Avantgarde", Nationalgalerie, Berlin, Germany
1988
"die abstrakten hannover. Internationale Avantgarde 1927-1935", Sprengel Museum Hannover; Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, Germany
2018
"abstrakt, abstrakt, abstrakt ... Von Albers über Dorazio zu Hirst", Galerie Koch, Hannover, Germany
2019
"Wege in die Moderne", Winckelmann Museum, Stendal, Germany
2020
"65 Jahre Galerie Koch", Galerie Koch, Hannover, Germany

Collections

About the artist

Rudolf Jahns wird am 13. März 1896 in Wolfenbüttel geboren. Er wächst ab 1902 in Braunschweig auf, wo er 1915 das Abitur macht. Bereits als Schüler zeichnet Jahns auch ist er als Flötist Mitglied im Schulorchester. Nach dem Einsatz als Sanitäter im Ersten Weltkrieg (bis März 1919) kehrt er nach Braunschweig zurück. Auf Drängen des Vaters arbeitet Jahns beim Zoll, malt und zeichnet jedoch autodidaktisch weiter. Er mietet ein Atelier außerhalb der elterlichen Wohnung. Jahns beginnt sich mit der zeitgenössischen europäischen Avantgarde auseinanderzusetzen, namentlich den Werken von Lyonel Feininger, den kubistischen Werken von Pablo Picasso und George Braque, den abstrakten Kompositionen Wassily Kandinskys und Paul Klees. Es entstehen erste Zeichnungen, Temperabilder und Aquarelle mit konstruktiver Gestaltung der Fläche. 1920 wird Jahns als Finanzbeamter nach Holzminden versetzt. Hier fühlt er sich isoliert und flieht in das Naturerlebnis, das neben der Liebe zur Musik für seine Kompositionen trotz geometrisch-abstrakter Formensprache von Bedeutung bleibt. Dabei sucht Jahns den schöpferischen Umgang mit den in der Natur vorgefundenen Formen und Farben, der nach seiner Ansicht Voraussetzung jeglicher künstlerischen Gestaltung ist, um „Lebendiges“ zu formen und nicht „starre Materie“ (1924). Die Auseinandersetzung mit der Natur, aber auch die musikalische Fundierung seiner Kompositionen verbinden Jahns mit Paul Klee. Jahns beschäftigt sich intensiv mit der klassischen Musik und spielt neben der Flöte auch Klavier. 1924 kann Jahns erstmals Werke in der Berliner Galerie „Der Sturm“ ausstellen. Hier sieht er auch die Arbeiten des Hannoverschen Künstlers Kurt Schwitters. Persönlich lernen sich die beiden am 24. Februar 1927 kennen. Jahns hatte für den Hannoveraner in seinem Holzmindener Atelier einen sogenannten „Merz“-Abend arrangiert. Bei dieser Gelegenheit sieht Schwitters erstmals Werke von Jahns und lädt diesen noch am selben Abend zur Teilnahme an zwei projektierten Ausstellungen der „Internationalen Vereinigung der Expressionisten, Futuristen, Kubisten und Konstruktivisten e.V.“ („Die Abstrakten“) sowie zur Gründung einer eigenen Ortsgruppe dieser Künstlervereinigung in Hannover, den „abstrakten hannover“, ein. Der am 12. März 1927 in Schwitters Wohnung in Hannover gegründeten Gruppe gehören neben Schwitters und Jahns Friedrich Vordemberge-Gildewart, Carl Buchheister, Hans Nitzschke und später auch Cesar Domela an. Das Verbot abstrakter Malerei durch die Nationalsozialisten und die Beschlagnahmung seines Ölbilds „Abstrakte Komposition“ aus dem Provinzialmuseum Hannover treiben Jahns in die künstlerische Emigration und hin zur gegenständlichen Darstellung von Mensch und Landschaft. Nach 1945 nimmt Jahns sein abstrakt-konstruktives Schaffen zunächst zögernd, dann mit neuer Intensität auf, wobei das Naturerlebnis, die Landschaft, die Musik sowie die Architektur in seine Kunst verwoben werden. Der frühe Tod seiner Frau Renate (1958) sowie seines Sohnes (1960) stürzen den Künstler in eine Schaffenskrise, die er noch in der ersten Hälfte der 1960er Jahre überwindet. Es entsteht nun sein Spätwerk, das von Innovation und Qualität geprägt ist. Jahns erfährt Anerkennung durch Einzelausstellungen in Kunstvereinen sowie Museen. 1976 veranstaltet das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kultur eine Einzelausstellung des Künstlers, 1981 das Sprengel Museum Hannover sowie das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen. 1982 wird Jahns das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen sowie die Ehrenbürgerwürde der Stadt Holzminden. Nach dem Tod Jahns wird 1994 die Rudolf-Jahns-Stiftung gegründet. Seitdem führt das Sprengel Museum Hannover regelmäßig Einzelausstellungen des Künstlers durch.