Ferne und Nähe: Reiner Wagner

Ausstellung zum 75. Geburtag des Künstlers
16.03. - 15.04.2017

Es erscheint ein umfangreicher Katalog zur Ausstellung.

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Horst Antes. Von Menschen und Häusern

Ausstellung zum 80. Geburtstag des Künstlers
24.11.2016 - 07.01.2017

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Carol Bove meets Zero


24.09. - 22.10.2016

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Damien Hirst: The Wonder of You, Spots & more


23.04. - 21.05.2016

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Blau

Von farblichen Akzenten zur Monochromie II
25.02. - 26.03.2016

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Sam Francis: Black


28.11.2015 - 09.01.2016

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Karl Bohrmann - Susanne Kraißer: Die menschliche Figur


26.09. - 24.10.2015

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Zero

Positionen
23.04. - 23.05.2015

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60 Jahre Galerie Koch


12.02. - 28.03.2015

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Bernhard Vogel

Made in Italy - Aquarelle und Arbeiten in Mischtechnik
29.11.2014 - 17.01.2015

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Pablo Picasso

Druckgrafik und Keramik
25.09. - 22.10.2014

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School of London

Frank Auerbach, Francis Bacon, Lucian Freud, Leon Kossoff
26.04. - 24.05.2014

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ROT

Von farblichen Akzenten zur Monochromie
13.02. - 15.03.2014

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Karsten K. Krebs

Objekte und Arbeiten auf Papier
12.10. - 09.11.2013

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Daniela Gullotta

Verlassenes Deutschland
07.09. - 05.10.2013

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Otto Piene

ZERO: Werke von 1957 bis 1966
18.04. - 25.05.2013

Die Ausstellung wird vom 18. bis 22. April auf unserem Messestand der ART Cologne gezeigt. Danach ab dem 27. April in der Galerie Koch.

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Klaus Fußmann

Blumen und Landschaften
02.03. - 06.04.2013

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Ernst Ludwig Kirchner

Skizzenbuch 159
01.12.2012 - 12.01.2013

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Izvor Pende

Neue Bilder
27.09. - 27.10.2012

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Janet Sobel

New York 1946 -1950
28.04. - 02.06.2012

Die Vernissage der 20. Kabinettausstellung ist am Samstag, dem 28. April, um 12.00 Uhr.


Michael Stoeber wird in die Ausstellung einführen.



Die Arbeiten können vorab an unserem Messestand auf der Art Cologne, 18.-22. April 2012 (Halle 11.2, D 30) besichtigt werden.


Unsere Ausstellung ist die erste Einzelpräsentation Sobels in Europa und damit ein Meilenstein in der Wiederentdeckung dieser bedeutenden, heute vollkommen zu Unrecht nur wenigen bekannten Malerin der modernen Kunstentwicklung in den USA um 1945. Ihre Werke finden sich in öffentlichen Sammlungen, wie dem Whitney Museum of American Art und dem Museum of Modern Art in New York.



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Reiner Wagner

zum 70. Geburtstag
15.02. - 24.03.2012

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit 44 Farbabblidungen, den wir Ihnen auf Anfrage gerne schicken.
Anlässlich des 70. Geburtsages des Malers Reiner Wagner zeigen wir eine umfangreiche Einzelausstellung seines Werkes mit in der Mehrzahl Ölbildern der Jahre 2010 und 2011 sowie einzelnen, herausragenden Arbeiten vergangener Jahre. Die sich auf Landschaften und Stillleben konzentrierende  Ausstellung, ist seit 1989 unsere fünfte Werkschau des 1942 in Hildesheim geborenen, am Starnberger See bei Seeshaupt sowie auf Korsika lebenden Künstlers.



Stimulus und somit Auslöser des schöpferischen Prozesses, der in Wagners Landschaftsbildern und Stillleben sichtbaren Ausdruck findet, ist die Faszination an visuellen Eindrücken aus der Natur oder seiner häuslichen Umgebung, exakter des Ateliers. Wagner geht es in seinen Bildern indes nicht um eine naturalistische Schilderung der sichtbaren Welt, sondern um ein Abstrahieren und Vereinfachen, ein verdichtendes Zusammenfassen der Erscheinungen in künstlerische Form. Dabei gelingt es Wagner die Essenz der Dinge sowie die der Natur, ihre Wucht und Präsenz sowie ihren - bedingt durch die Jahreszeiten, die Wetterlage oder die Tageszeit – sich stets ändernden Ausdruck in Bilder von großer Intensität umzusetzen.



Eine wesentliche Voraussetzung seines künstlerischen Schaffens bildet die Vertrautheit mit der dargestellten Natur. Daraus resultiert, dass der Maler sich ausschließlich mit der ihn umgebenden Landschaft auseinandersetzt: das bayerische Alpenvorland, der Starnberger See mit seinem Umland u.a. sowie die korsische Berglandschaft. Immer neue, jedoch auch bestimmte Konstanten aufweisende Landschaftsbilder entstehen. Motive wie der Weg, das Stadel, das Bootshaus oder - in den auf Korsika entstehenden Bildern - das Landhaus finden sich stets aufs Neue in seine Landschaften integriert. Sie zeugen einerseits von der Anwesenheit des Menschen, der selbst nicht dargestellt wird, bilden andererseits wesentliche kompositorische Elemente.


 



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Rainer Gross

Bilder aus 10 Jahren
03.12.2011 - 14.01.2012

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Heinrich Steiner

100 Jahre
13.10. - 12.11.2011

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Lyonel Feininger

Natur-Notizen
28.05. - 02.07.2011

Natur-Notizen aus dem Julia-Feininger-Nachlass


Lyonel Feininger (1871 – 1956) gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Klassischen Moderne. Zeitlebens war er amerikanischer Staatsbürger, lebte jedoch circa 50 Jahre in seiner Wahlheimat Deutschland. Vor allem die thüringischen Dörfer, ihre Kirchen sowie die Ostsee und die Strand- und Schiffsdarstellungen gehörten zu den zentralen Motiven des Bauhaus Lehrers. Meist erkundete Feininger die Umgebung mit dem Rad und hielt sie in zahlreichen Zeichnungen fest. Auf diese meist vor der Natur geschaffenen sogenannten Natur-Notizen griff er sein Leben lang zurück und entwickelte aus ihnen seine bedeutenden Gemälde. Deshalb waren diese präzise datierten und sorgfältig abgehefteten Arbeiten auch nicht für den Verkauf bestimmt. Feininger betrachtete sie als sein „Kapital“.


„Das Einordnen hunderter Blätter aus vergangenen Jahren bringt Erlebnisse, die unvergeßlich, doch lange vergraben – so herrliche Blätter voller Runen, die wie zauberhafte Keime zu neuen Schaffensmöglichkeiten aufgespeichert in den Mappen liegen.“ (Aus einem Brief von Lyonel Feininger an seine Frau Julia.)



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Ein Streifzug durch die Moderne


24.02. - 02.04.2011

Vernissage: 24. Februar 2011, um 19 Uhr


Michael Stoeber führt durch die Ausstellung.



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Rudolf Jahns

Retrospektive
11.11.2010 - 15.01.2011

Die Ausstellung wird durch Prof. Dr. Ulrich Krempel, Direktor vom Sprengel Museum, eröffnet.



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Sam Francis


04.09. - 09.10.2010

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Andrea Neuman

Close to me
29.05. - 26.06.2010

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Izvor Pende - Die Ferne Gottes

HDLU, Zagreb
4. - 31.03.2010

Per aspera ad astra
Zum Werk von Izvor Pende


Fotografie - Am Anfang des Werkes von Izvor Pende steht die Fotografie. Der Künstler nutzt sie nicht als artistisches Medium sui generis. Es geht ihm nicht um die Fotografie als künstlerisches Bild. Sondern die Fotografie dient Pende dazu, Impressionen der Wirklichkeit festzuhalten, die ihm im Augenblick ihrer Entdeckung malwürdig erscheinen und die er in Kunst zu übersetzen wünscht. Die Fotografie ersetzt für Pende das Skizzenbuch der alten Meister. In solchen Skizzen bildete sich im Kurzschluss mit der Wirklichkeit das spätere Werk in statu nascendi ab. Deshalb verglich der Renaissancetheoretiker Federico Zuccaro die Zeichnung mit dem göttlichen Schöpfungsakt. In ihr sah er das erste Aufleuchten der Idee des Werkes. In dieser Funktion lässt sich die Fotografie im Werk von Pende durchaus in Beziehung setzen zur traditionellen Aufgabe der Zeichnung für die Malerei. Nur, dass die zeichnende Hand bereits Modifikationen am Erscheinungsbild der Wirklichkeit vornimmt. Das geschieht in Übereinstimmung mit dem disegno interiore des Malers, mit dem Vorstellungsbild von seinem späteren Werk, was der Fotografie nicht möglich ist. Bei ihr bleiben die Vorstellungsbilder des Künstlers vorerst im Konjunktiv. Sie sind reiner Optativ. Daher geht es Izvor Pende auch keineswegs darum, seine Fotografien abzumalen, wie das die so genannten Fotorealisten unter den Malern mit ihren Aufnahmen taten. Sie waren hoch erfreut waren, wenn man ihre gemalten Bilder mit echten Fotografien verwechselte, weil sie die Augen des Betrachters in vollkommener Weise täuschten. Pende dagegen setzt aus den fotografischen Abbildern der Wirklichkeit eine fiktionale Welt zusammen, noch bevor er den Pinsel zur Hand nimmt. Er collagiert unterschiedliche Aufnahmen. Dabei finden beispielsweise ein Schiff aus dem Hamburger Hafen und die Küste Dalmatiens zusammen. Im Verlauf des Malaktes entsteht aus dieser Allianz etwas völlig Neues. Das Schiff wird zu einem bootsförmigen Felsvorsprung, und auch Meer und Himmel des gemalten Bildes setzen sich in dem Werk mit dem Titel „Küste“ (2009) aus den Eindrücken unterschiedlicher Fotografien zusammen


Malerei – Izvor Pende reduziert, lässt weg, fügt hinzu und verdichtet. Er konzentriert und essentialisiert in seiner Malerei. Das macht der Vergleich von Fotografie und Malerei unübersehbar deutlich. Das heißt aber auch, dass das Gesetz der Mimesis, der möglicht wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe des Sichtbaren, für ihn keine Gültigkeit mehr hat – wie es für einen zeitgenössischen Maler auch nicht anders sein kann. Wenn es für Pende eine normative Vorgabe gibt, dann heißt  sie im Rückgriff auf das schöne Wort von Paul Klee: „Nicht das Sichtbare wiedergeben, sondern sichtbar machen.“ Eine solche Norm fängt an, zur Handlungsmaxime der Maler zu werden, als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Fotografie erfunden wird. Da sie die Wirklichkeit, so wie sie ist, kompetenter abbildet als die Malerei, befähigt sie diese zu einer ganz neuen Freiheit. Die Zeit der Trauben des Zeuxis, auf die sich – wie es heißt - die Vögel des Himmels hungrig gestürzt hätten, und der gemalten Vorhänge des Apelles ist endgültig vorbei. Die Moderne bricht an, und dem Maler geht es nun darum, ins Herz der Trauben vorzustoßen, die Vorhänge zu zerreißen und die Bilder hinter der sichtbaren Wirklichkeit Gestalt werden zu lassen. Der Spiegel als Metapher der Malerei hat ausgedient. Wie Lewis Carrolls „Alice“ ist der zeitgenössische Maler aufgefordert, hinter den Spiegel zu gehen und uns Mitteilung von dem zu machen, was er dort sieht. Von Izvor Pendes Gang hinter den Spiegel legen seine Werkserien Zeugnis ab. Wenn er Themen wie die Frau oder das Meer in immer neuen Bildern verhandelt, straft er sowohl den Mythos vom singulären wie vom ultimativen Bild Lügen. Die Variation eines Immergleichen in Pendes Malerei ist ein subtiles Gleichnis nicht nur der Relativität von Blick und Erblicktem. Sie macht auch deutlich, dass sich die Wirklichkeit nicht mehr in gemalten Universalien fassen lässt. Es gibt nicht nur ein gültiges Bild der Welt. Pendes lasierender, verschiedene dünnflüssige Farbschichten übereinander legender Malstil liefert dafür das formale Äquivalent. Seine Malmanier hat, rasch wie sie ist, die notwendige Kraft, auf eine veränderte Wahrnehmung von Welt und Wirklichkeit entsprechend geschmeidig zu reagieren. Ihr flüssiger Duktus demonstriert eine erleuchtete Geistesgegenwart, in der zugleich das Flüchtige und Ephemere aller Erscheinung aufgehoben ist.


Serie – Gegen die gestische Raschheit des Stils stellt sich in Pendes Bildern nicht selten eine minutiöse Präzision bei der Erfassung seiner Sujets. Man sehe sich in diesem Zusammenhang nur die in unterschiedlichen Farbnuancen schimmernde und streng gegeneinander abgegrenzte Holz- und Fassadenstruktur seines Sommerhauses in dem gleichnamigen Werk aus dem Jahre 2009 an. Auch dieses Haus ist weit gereist, um am Ende im Bild des Künstlers an der Küste Dalmatiens anzukommen. Pende hat es bei der Besichtigung eines Quarantänelagers kennen gelernt, fotografiert und in die schwermütige, von Schatten getränkte Sonnen- und Sommeridylle seines Gemäldes versetzt. Die formale und inhaltliche Dialektik, die wir hier beobachten, macht generell zu einem nicht geringen Teil den Reiz seiner Bilder aus, in denen Pende nicht nur unterschiedliche Stimmungen miteinander verbindet, sondern eben auch unterschiedliche Malweisen. Wobei er den Blickwinkel auf sein Thema von Bild zu Bild subtil verändert. Ein Sujet in unterschiedlichen Werken immer neu zu variieren und zu differenzieren, wie er das tut, fördert die Emanzipation des Betrachters vor dem Bild. Statt gemäldeseliger Versenkung forciert die künstlerische Arbeit in Serien auf Seiten des Betrachters den Bildvergleich und damit ein kritisches Sehen. Izvor Pendes Strategie erinnert an die berühmte Geste von Bertolt Brecht, der in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Theater ein Transparent anbringen ließ mit den Worten: „Glotzt nicht so romantisch!“ Brecht wollte keine emotionale Identifizierung des Publikums mit dem Geschehen auf der Bühne, sondern dessen intellektuelle Durchdringung. Der Betrachter sollte sich am Ende des Theaterbesuchs besser begreifen. Das tua res agitur, das dahinter auftaucht, der Anspruch, dass die Kunst die Sache des Menschen und damit jedes einzelnen Betrachters zu verhandeln habe, ist eine uralte ästhetische Forderung. Sie ist auch in den Bildern Pendes gültig. Sie hebt sie heraus aus dem rein Privaten und Biografischen und macht sie allgemein verbindlich. Pendes Bilder gehen uns in existentieller Weise an. Ihr Seriencharakter ähnelt einer Versuchsanordnung. Ihre Besichtigung wird zu einer Reise zu uns selbst. Auf ihr wird jeder Betrachter zu seinem eigenen Columbus. Nur, dass er statt Amerika sich selbst entdeckt.


Porträt Meer – Immer neu porträtiert Izvor Pende in seinen letzten Werkserien eine junge Frau und das Meer. Entweder jedes Sujet für sich, die Frau oft im Interieur eines Hauses, und das Meer als Teil einer Küstenlandschaft. Oder aber beide zusammen, wobei die junge Frau, im Anblick der See versunken, in der Regel als Rückenfigur im Bild erscheint. Die Bildtitel belehren uns darüber, dass die Protagonistin „Bubu“ heißt und „Dance“ der Küstenabschnitt in der Nähe von Dubrovnik, der Stadt, in welcher der in Zagreb geborene Pende einen großen Teil seiner Jugend verbracht hat und wo er auch den Balkankrieg erlebte. Im Grunde aber spielen diese namentlichen Zuordnungen für die Betrachtung der Gemälde so gut wie keine Rolle. Denn Pende ist weniger am Singulären und Individuellen interessiert als am Allgemeinen und Essentiellen. Seine See ist nicht das bestimmte, topografisch zu lokalisierende Meer der Adria, auch dann nicht, wenn er wie in der Reihe der „Lokrum“-Bilder eine spezifische Insel vor der Küste in den Blick nimmt. Sondern Pende ist an der Darstellung von Zustandbestimmungen der See gelegen, wie sie sich so oder so ähnlich überall auf der Welt zeigen könnten, wo wir auf Meer stoßen. Er malt es ruhig, still und glatt da liegend, domestiziert durch die Gezeiten wie ein braves Haustier oder brüllend und aufschäumend und wie eine wilde Bestie gegen die Küste anstürmend. Die Farben, in die er auf seinen Bildern Meer, Himmel und Küste taucht, verleugnen sogar die ursprüngliche Herkunft des Sujets. Nie sehen wir Kolorite, die auch nur entfernt an die Sonnen gebadete dalmatinische Küste erinnern. Die Bilder sind wenig heiter. Sie sind in schwermütige, dunkle Blau- oder Grautöne getaucht, die sie zu melancholischen Meditationstafeln machen. Viel stärker als an die Adria erinnern sie an die Meere von Nord- und Ostsee. Einmal mehr schöpft Pende seine Bilder nicht aus der Mimesis. Die Wirklichkeit dient ihm nicht als Spiegel für seine Kunst, sondern er schaut, wie beschrieben, hinter den Spiegel und damit hinter die Wirklichkeit. Er collagiert und fiktionalisiert seine Eindrücke. Auf diese Weise schafft er aus dem, was er gesehen und erfahren hat, im Bild eine Art Essenz. Schauen wir auf seine Malerei, erblicken wir nicht die Welt, sondern die Welt, gefiltert durch das Temperament und die Temperatur des Malers. „L´ art, c´ est le monde vu par un tempérament“, wie Emile Zola, der große Romancier, an seinen Freund Paul Cézanne einst schrieb.


Porträt Frauen – Die Kunst schenkt uns demnach die Welt, wie das Temperament des Künstlers sie sieht. Welt („monde“) und Temperament („tempérament“), Repräsentation und Modifikation, das sind die Hebelkräfte, die auch die Darstellung der Frau im Werk von Izvor Pende bestimmen. Auch ihr Porträt ist bei aller Wiedererkennbarkeit der Protagonistin weniger am Individuellen als am Essentiellen interessiert. Dieser Drang, das persönliche Porträt hin zu einem allgemeingültigen zu transzendieren, legt Zeugnis ab von einer platonischen Sehnsucht des Künstlers, mit seinen Bildern zum Herz der Menschen und Dinge vorzustoßen. Wie das Bild des Meeres im Werk von Pende überindividuelle Facetten zeigt, so auch die vielen Porträts der jungen Frau mit dem Namen Bubu. Wir sehen ihre schlanke, schöne Gestalt und ihr feines Gesicht mit den offenen, schwarzen Haaren und den dunklen, nachdenklichen Augen in unterschiedlichen Situationen. Oft stellt Pende sie im Innenraum dar, am Fenster stehend und herausblickend oder sitzend und liegend auf einem Bett in einem Schlafzimmer. Sie trägt ein knappes schwarzes Höschen und ein eben solches Hemd. Die Art und Weise ihres Erscheinens lenkt den Blick des Betrachters einerseits auf das Feld erotischer Rezeption. Andererseits wird jede Begehrlichkeit sogleich entschieden wieder abgewiesen durch die melancholische Stimmung, die auf den Bildern liegt. Die vorherrschenden und bestimmenden Blautöne verbinden die Porträts mit Pendes Meeransichten. Die Protagonistin ist völlig in sich versunken. Keiner ihrer Blicke sucht das Auge des Betrachters. Und sie ist stets allein auf diesen Bildern. So thematisiert ihr Auftritt weniger die Freuden einer erotischen Begegnung als die grundsätzliche Einsamkeit des Menschen. Wir werden allein geboren und wir sterben allein. Jeder Schmerz, den wir auszuhalten haben, ist unser ganz allein. Eine Umarmung, wie fest auch immer, ist stets nur temporärer Trost. Es ist genau diese conditio fundamantalis des Menschen, die das Hauptthema der Bilder ist. Sie machen diese Porträts zu Monumenten menschlicher Verlorenheit. Trotz ihrer persönlichen Konturierung verwandelt sich Bubu unter der Hand des Malers. Das Charakterbild wird bei Pende zur Allegorie, in der sich der Betrachter wieder findet.


Melancholie – Im vergleichenden Rückgriff auf die Kunstgeschichte beobachten wir in Izvor Pendes Werkreihe eine bemerkenswerte Verkehrung. Denken wir an die strahlenden Schönheiten Botticellis, an die „Primavera“, die „Geburt der Venus“ oder die „Pallas mit dem Kentauren“! In ihnen gewinnen mythische Figuren in so intensiver Ausprägung individuelle Züge, dass die Zeitgenossen Botticellis in ihnen bestimmte Frauen aus der florentinischen Gesellschaft wieder zu erkennen glaubten. Und wenn wir heute auf sie schauen, geht es uns kaum anders. Wir meinen bei aller Idealität in der Darstellung in ihnen in erster Linie die persönlichen Porträts unverwechselbarer Frauen zu sehen. Vollzieht sich dabei in der Malerei Botticellis eine Verwandlung des Allgemeinen ins Individuelle, so ist bei Pende, wie wir gesehen haben, das Gegenteil der Fall. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Thema der Melancholie. Denn auch Botticellis Frauen mit ihren überschlanken Gliedern zeigen auf ihren von reichem Goldhaar umfluteten Gesichtern einen in der Regel in sich gekehrten, schwermütigen und melancholischen Ausdruck. Den Charakter der Melancholie hat als erster der griechische Arzt Hippokrates untersucht. Für ihn ist sie eine von vier möglichen Temperamenten, die das Wesen des Menschen bestimmen. Nach seiner Auffassung ist unser Temperament abhängig vom Verhältnis, in dem gelbe und schwarze Galle, Schleim und Blut sich in unserem Körper mischen. Verbinden sie sich in harmonischer Weise, verfügen wir über ein ausgeglichenes Temperament. Ist ein Saft dominant, kommt es zu charakterlichen Ausprägungen. Das Erscheinen der Melancholie führt Hippokrates auf ein Übermaß an schwarzer Galle in unserem Körper zurück. Das hat Einfluss auf die Seele. Der Melancholiker schaut traurig auf Welt und Wirklichkeit. In unserer Zeit sieht die amerikanische Essayistin Susan Sontag die Ursache der Melancholie in einer Erblast der Intellektuellen. Für sie sind sie im Zeichen des Saturns Geborene. Ihr Geschäft ist das Denken, und das macht traurig, denn es verweist uns immer wieder auf unsere Sterblichkeit. Dass der Mensch diese normalerweise verdrängt, darauf hat uns schon Marcel Duchamp mit seinem Grabspruch aufmerksam gemacht, der an ironischer Malice nicht zu überbieten ist. Auf seinem Grabstein lesen wir: „D´ ailleurs, c´ est toujours les autres qui meurent.“ (Im übrigen sterben immer die anderen).


Rückenfigur – Die Darstellung der Melancholie hat zu allen Zeiten Schriftsteller und Künstler gereizt. Dass Denken und Traurigkeit ein Tandem bilden, zeigt sich ikonografisch in der Pose des schwer in der Hand des aufgestützten Arms ruhenden Kopfes, die wir u. a. in Albrecht Dürers „Melencolia I“ wie in Auguste Rodins „Le Penseur“ finden. Eine andere Form des denkenden Betrachtens stellt die uns den Rücken zuwendende Figur in den Bildern der Romantiker dar, z. B. in den Werken von Gustav Carus und Caspar David Friedrich. Ihr Blick auf die Welt vollzieht sich stellvertretend für uns. Wenn wir mit ihnen auf die Schöpfung schauen, wollen die Maler, dass wir sie mit ihren Augen als Spiegel der Seele sehen. Staunend über die Majestät einer Mondnacht wie in einem Bild von Carus, in dem der Künstler bewegt scheint von Immanuel Kants Einsicht, dass über ihm „der gestirnte Himmel“ und in ihm „das moralische Gesetz“ ist. Oder bewegt von der erhabenen Natur einer mächtigen Bergkette wie Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“. Oder erschüttert von der unendlichen Weite und Größe der See wie sein kleiner „Mönch am Meer“, bei dessen Anblick Heinrich von Kleist einst das Gefühl hatte, ihm seien die Augenlider „wie weg geschnitten“. Auch wenn in dem letzten Bild das Erschrecken da ist über die Möglichkeit einer aus jeder Ordnung gefallenen Welt, ist das vorherrschende Gefühl romantischer Betrachtung der Wirklichkeit doch die Sicherheit, aufgehoben zu sein in einer pantheistisch durchwirkten Schöpfung. Wenn wir mit Pendes Rückenfiguren, mit seinen Frauen, auf das Meer schauen, ist diese Sicherheit erst einmal fort. Der Titel der Werkserie „Die Ferne Gottes“ gibt einen nicht zu übersehenden Hinweis darauf. Aber Ferne heißt nicht Nicht-Existenz. Ferne meint eher einen deus absconditus, einen verborgenen Gott. Vielleicht ist er hinter dem Eindruck der Sinnlosigkeit des Daseins, hinter den endlos rollenden Wellen des Meeres und den emotionalen und existentiellen Wechselfällen des Lebens am Ende trotz allem zu entdecken. Zwar beschreibt bereits Albert Camus´ „Caligula“ die Absurdität der condition humaine mit den Worten: „Die Menschen sterben, und sie sind nicht glücklich.“ Doch die Bilder von Izvor Pende wissen es im Grunde besser. Immer wieder schleicht sich Licht in sie hinein. Eine ausgeklügelte Dramaturgie erhellt - schwach, aber nachdrücklich - die blauen Meeransichten und die blauen Zimmer, in denen seine Frauen – mit uns - nachsinnen über sich und das Leben. Per aspera ad astra.


Michael Stoeber



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55 JAHRE GALERIE KOCH

Meisterwerke der Bildhauerei
18.02. - 15.04.2010

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